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Apr 2011
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Dmitry April, Thorsten Hänseler: Metaller, die auf Brüste starren (D 2011), gesehen am Ostermontag, 23.04.2011 in Münster, DVD-Screener

Bei den Stichworten „Wacken Open Air“ und „Dokumentarfilm“ muss man als Filmfan zwangsläufig an die sehenswerte Dokumentation von Sung Hyung-Cho, „Full Metal Village“ denken. Die mehrfach ausgezeichnete, urkomische und feinfühlig beobachtete Studie über zwei unterschiedliche Welten, die nicht im Geringsten zusammenpassen (Metal-Fans und Dorfbewohner), hatte nach Rücksprache eines mir befreundeten Metal-Fans angeblich nur zwei Fehler: Es fehlte die Musik und er hätte gerne mehr Statements der Fans gesehen bzw. gehört. Den Punkt mit der Musik und den Rechten hatten wir schnell geklärt, bei den Statements der Fans musste ich ihm Recht geben.

Zwei Metal-Fans aus dem schönen Bad Offenbach in der Nähe von Frankfurt waren wohl ähnlicher Ansicht wie wir. Mit ihrem Projekt „OKBO – Offener Kanal Bad Offenbach“ bringen sie am 05. Mai eine Dokumentation in die Kinos, die weniger mit journalistischer Distanz über das Geschehen WOA – Wacken Open Air berichtet, sondern viel mehr Teil des Geschehens ist. Die beiden Metal-Fans Dmitry April und Thorsten Hänseler waren 2010 in das schleswig-holsteinische Wacken gereist, hatten neben viel Bier auch eine Video-Kamera im Gepäck und fingen damit alles ein, was sich auf dem Festivalgelände inkl. Campingplatz abspielte. Abgesehen von den Auftritten der Bands (Rechte!). Die zahlreichen Interviews – untereinander und mit anderen Festivalteilnehmern – sind nicht frei von Selbstironie. Und dass auf einem Festivalgelände exzessiv getrunken, gesungen und gefeiert wird, dürfte auch niemanden wundern.

Doch dieses sympathische Fan-Video (als Dokumantarfilm möchte ich diese 89 Minuten semiprofessionell zusammen geschnittenen Bilder nicht bezeichnen) entbehrt – so ehrlich und kritisch sollte man sein – jeglicher Professionalität. Der Ton wurde direkt mit dem internen Mikrophon der Kamera aufgezeichnet, die Kamera zoomt, schwenkt und reißt, als hätte ein Kleinkind zum ersten Mal eine Videokamera in der Hand, die Bilder, die am Abend bei Eintritt der Dämmerung aufgenommen wurden, sind viel zu dunkel und ein roter Faden oder gar eine Handlung ist nicht erkennbar. Eine Dokumentation auf Augenhöhe der Fans? Selbstironie? Das kann alles richtig sein. Nur für mich war nach 10 Minuten Schluss mit den „Metallern, die auf Brüste starren“. Mir war schlichtweg schlecht geworden hinsichtlich der Qualität der Bilder und Reißschwenks des „Videofilmers“. Viel Glück dem OKBO-Team trotzdem für die Kinoauswertung! Bleibt zu hoffen, dass die Kinobetreiber genug Bier und Kotztüten auf Vorrat gehortet haben.



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