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Sep 2014
02
„Diplomatie“ von Volker Schlöndorff

Ein guter Kammerspielfilm basiert oft auf einem erfolgreichen Theaterstück („Rope“, „Arsenic and old lace“, „Gott des Gemetzels“ etc.). So auch Volker Schlöndorffs gleichnamige Adaption „Diplomatie“. Das Drehbuch zum Film schrieb der deutsche Oscar-Preisträger zusammen mit dem Autor des Bühnenstücks, Cyril Gély. Basierend auf einem spannenden Kammerspiel, das ein geschichtsträchtiges Aufeinandertreffen im Paris des Kriegsjahres 1944 nacherzählt: Ein schwedischer Diplomat will versuchen, den deutschen Statthalter von Paris davon abzubringen, die Stadt dem Erdboden gleichzumachen.

Die (wahren) geschichtlichen Fakten bilden dabei nur das Grundgerüst für ein spannendes Rededuell, das vielleicht so oder so ähnlich zwischen Raoul Nordling, dem eloquenten Diplomaten, und Dietrich von Choltitz, dem erfahrenen und Hitler treu ergebenen Soldaten stattgefunden haben könnte. Dass die beiden Männer sich tatsächlich mehrmals trafen, ist geschichtlich überliefert. Dass ausgerechnet in der Nacht vom 24. auf den 25. August des Jahres 1944, also vor gut 70 Jahren, über das Schicksal von Paris entschieden wurde, stammt aus der Feder von Cyril Gély.

Schlöndorff verlässt die Suite des Pariser Hotels, in dem der deutsche Kommandierende General gegen Kriegsende Quartier bezog, nur ein einziges Mal. Eine Gratwanderung und zugleich ein Gradmesser für einen Regisseur, der versuchen muss, die Intensität eines Duells auch auf der großen Kinoleinwand die Zuschauer spüren zu lassen. Dies gelingt dem mittlerweile 75-jährigen Volker Schlöndorff ganz hervorragend, weil er sich mit Niels Arestrup (von Choltitz) und André Dussolier (Nordling) auf zwei hervorragende Duellanten (auch im Theaterstück zusammen) verlassen kann, die im Verlauf einer Nacht die Fragen nach Gehorsam und Gewissen abarbeiten ohne ihre Karten dabei offen auf den Tisch zu legen. Gespickt mit Originalaufnahmen aus der Zeit der Pariser Besatzung. Sehenswert.

 

 



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