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Die Gabe zu heilen

Wie bei so vielen Dingen gilt auch hier: Open your mind and believe! Öffne deinen Geist und glaube daran. Denn ohne einen festen Glauben an die Wunderheilung funktioniert auch keine Dokumentation über Wunderheiler. Dabei ist die Bezeichnung „eine Dokumentation über Wunderheiler“ streng genommen falsch. Denn „Die Gabe zu heilen“ ist eher ein Porträt. Andreas Geiger porträtiert fünf sehr unterschiedliche Menschen, drei Männer und zwei Frauen, die alle über eine besondere Fähigkeit verfügen. Ohne Erfolgsstatistik, ohne Werdegang und ohne „Historie der Wunderheilung“.

Wer zum Heiler geht, muss an ihn glauben„, sagt Stephan Dalley aus dem schwäbischen Ludwigsburg. Das würde aber auch für die Schulmedizin gelten. Der selbst ernannte „Geistheiler“ ist aus kritischer Distanz bestrachtet vielleicht der sonderbarste Vogel aus dem porträtierten Wunderheiler-Quintett. Der langhaarige Schwabe behandelt kollektiv im Wartezimmer, per Handauflegen, mit wenigen Worten und wenigen Gesten. Gerne auch einmal spontan an der Waschanlage.

Die Kamera von David Finn betrachtet die Wunderheiler-Vorgänge aus feinfühliger Distanz. Bei allen Protagonisten. Darunter zum Beispiel die Arbeit von Birthe Krabbes, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und in Hamburg lebt. Oder bei Bauer Robert Baldauf sowie beim weißbärtigen Hirten Köbi Meile aus der Schweiz. Regisseur Geiger stellt nur wenige Fragen, er ist lediglich „vor Ort“, begleitet die Heiler bei ihrer Arbeit, beim Patientengespräch und bei Veranstaltungen. Clever, dass sich Geiger in den stärksten Szenen seiner Dokumentation, beim Umgang mit den Patienten, jeder Wertung oder anschließenden Erfolgsgeschichte entzieht. Dadurch muss er sich aber auch die Frage gefallen lassen, ob sein Film vielleicht nicht viel mehr als ein Werbefilm für die vorgestellten Personen ist.

Mit den Mitteln des „Direct Cinema“, also ohne künstliches Licht, Musikuntermalung und Off-Kommentar, geht es augenscheinlich um die Wunderheiler selbst. Andreas Geiger ist am Menschen interessiert, der von sich behauptet, eine besondere Gabe zu haben. Was treibt diesen Menschen an? Woher kommt die „Gabe“? Mit dem letzten Satz am Schluss wird aber auch klar, dass er in seinen porträtierten Heilern keine „Superhelden“ sieht sondern lediglich Personen, die einen Heilprozess ergänzend begleiten (können). Je nachdem, ob man sich darauf einlässt oder nicht. Eine Dokumentation sollte dahingehend eigentlich mehr liefern.

 

 



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