BLOG

Okt 2016
27
Der zornige Buddha

Bildung ist der Schlüssel für ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben. Ernüchternd ist es jedoch immer wieder, zu sehen, dass in vielen Teilen der Erde Kindern und Jugendlichen der Zugang zur Bildung verwehrt wird. Auch in Europa. Kinder von Roma-Familien in Ungarn beispielsweise müssen einen abenteuerlichen Aufwand betreiben, um nach der Grundschule Bildung genießen zu dürfen. Roma-Kinder sind und werden gesellschaftlich ausgegrenzt. So wie János Orsós. Der heutige Lehrer überwand die fast unüberwindbaren Hürden, die sich ihm als Roma-Kind in den Weg gestellt hatten und gründete zusammen mit einem ungarischen Politiker eine buddhistische Schule. Filmemacher Stefan Ludwig hat den beliebten Lehrer in drei Jahren immer mal wieder mit seiner Kamera in Ungarn besucht. Daraus ist ein beeindruckendes Porträt über den Lehrer, einige seiner Schüler und ihrer Familien entstanden.

Sajókaza heißt das Dorf mit seinen etwa 3.000 Einwohnern in Ost-Ungarn, indem János Orsós sein buddhistisches Gymnasium für Roma-Jugendliche gegründet hat. Mit staatlicher Unterstützung will der Mathe-Lehrer in einer sehr rassistisch aufgeheizten Umgebung den Teenagern den Weg in ein besseres Leben zeigen. Gleich zu Beginn macht Stefan Ludwig anhand dieses Mikrokosmos´ deutlich, dass nicht nur die Verantwortlichen in Sajókaza sondern Politiker in ganz Europa vor einer brisanten Entscheidung stehen: Integration oder Ausgrenzung?

Orsós, selbst aus einer Roma-Familie stammend, ist, so scheint es, zusammen mit seinem ungarischen Kollegen Tibor Derdák die einzige Hoffnung für die jungen Jugendlichen. In dem buddhistisch geführten Gymnasium sollen sie ihr Abitur machen. Dafür wirbt das ungleiche Duo auf den Straßen, in den verfallenen Häusern und vor allem jeden Tag aufs Neue in ihrer Schule. Nicht immer mit durchdringendem Erfolg.

Stellvertretend für die unterschiedlichen „Karrieren“ hat Ludwig drei Zöglinge näher betrachtet, an denen der Zuschauer die verschiedenen Probleme und Schwierigkeiten innerhalb der Gesellschaft gut erkennen kann. Ohne Pathos und Schischi und ohne dabei den Blick auf die sozialen Verhältnisse zu verlieren wird deutlich, dass ein guter Wille nicht immer ausreicht, um die Jugendlichen zu überzeugen. Nicht immer reagieren Eltern positiv auf die Möglichkeit der Weiterbildung für ihre Kinder, auch weil sie dadurch zum Beispiel als Verdiener wegfallen.

Durch die fein austarierte Beleuchtung, Mut machenden Aufnahmen von Klassenfahrten (u.a. nach Österreich) oder auch durch die beeindruckenden Einstellungen zum Thema Zusammenhalt und Kräfte innerhalb der Familien ist Ludwig hier ein ehrlicher und authentischer Film gelungen, der Mut macht und zum Nachdenken anregt.

 

 

 



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*