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Feb 2008
01
Dennis Gansel: Die Welle (Deutschland, 2007) (gesehen am 28.01.2008, Pressevorführung, Regina)

Der Film beginnt mit einem extrem coolen Vorspann und einem furchtbar gegen den Strich gebürsteten Lehrer namens Rainer Wenger, gespielt von Jürgen Vogel. Ich ahne das schlimmste und verdrehe im Dunkel des Kino-Saales die Augen ob der platten Anbiederung der Filmemacher an das junge Ziel-Publikum. Doch zu früh gestöhnt: Dennis Gansel (Regie und Drehbuch) und Peter Thorwarth (Drehbuch) haben die Rolle des Lehrers zwar auf Jürgen Vogel maßgeschneidert und liefern die erklärende Wenger`sche Biografie im Film gleich nach, doch machen sie damit auch deutlich, warum sich die Schüler so für diesen etwas unkonventionellen Lehrer begeistern können.

Ansonsten wurde der Stoff eingedeutscht (aus der Basketballmannschaft wird die Wasserballmannschaft der Schule, aus dem Experiment eine Projektwoche) und auf den Stand des neuen Jahrtausends gebracht, wo Schüler Grafftis malen, Homepages basteln, chatten und bei Youtube, MySpace etc. aktiv sind. Es wurde peinlich genau darauf geachtet, die Geschichte keiner bestimmten Stadt oder Region zuordnen zu können. Eine normale Kleinstadt mit einem normalen Gymnasium mit normalen Schülern sollte es sein.

Für die Schüler-Rollen wurde alles zusammengecastet, was beachtliche Film- und Fernseherfahrung hat und unter 30 ist. Dabei sind u.a. Christina Do Rego („Besser als Schule“), der immer leicht schläfrig wirkende Max Riemelt (der in diesem Jahr in mindestens drei Kinohauptrollen zu sehen sein wird), Jennifer Ulrich („Elementarteilchen“) und Elyas M`Barek („Türkisch für Anfänger“). Alle Rollen sind trotz des eigentlich zu hohen Alters für eine Oberstufenklasse überzeugend besetzt.

Mit der Umsetzung des Schulbuchstoffes „Die Welle“ hat das befreundete Trio, bestehend aus Dennis Gansel, Peter Thowarth und Produzent Christian Becker nicht nur einen Film geschaffen, den die nächsten Schüler-Generationen im Unterricht anschauen werden (und die sich dann über altmodische Handys und Computer und unmoderne Klamotten amüsieren), sondern auch einen handwerklich beachtlich gut gemachten Kinofilm geschaffen, der auch ob seiner Qualitäten für viele Schulvorführungen taugt. Die Geschichte trägt und funktioniert, sie ist sehr gut umgesetzt und – was ganz wichtig ist – nachvollziehbar umgesetzt. So nachvollziehbar, dass sogar das gegenüber der Vorlage veränderte Ende möglich erscheint.

Das Lehrstück über Gruppendynamik und Gruppenzwang, über Identitätssuche und das Bedürfnis besonders der Jugendlichen, zu einer Gemeinschaft zu gehören und akzeptiert zu werden, ist kein belehrender Film. Er kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Es ist die Aufzeichnung eines so ähnlich tatsächlich abgelaufenen pädagogischen Experiments.

Der Film wird am 13. März in den deutschen Kinos anlaufen.



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