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Okt 2008
25
Darren Aronofsky: The Wrestler (USA 2008) (gesehen am 23.10.2008, Viennale in Wien, Senad)

Man vereine einen bereits international etablierten und gefeierten Regisseur, besetzte seinen neuen Film mit einem Schauspieler, der nicht nur ein großes Comeback damit feiern kann sondern auch die beste Performance seiner Karriere abliefert und man achte auch darauf, dass die Nebendarsteller zu dem Besten gehören was Hollywood derzeit zu bieten hat: Das Ergebnis: Ein Meisterwerk. Zugegeben, dies klingt locker herausgeschüttelt, jedoch genau diese Faktoren sind es, die Darren Aronofskys vierten Film „The Wrestler“ auszeichnen.

Mickey Rourke, den man nach etlichen Ausfällen in Hollywood bereits abgestempelt hatte und der mit dem lange zurückliegenden „Sin City“ zuletzt eine beachtenswerte Performance abgeliefert hat, spielt den alternden Wrestler Randy „Ram“ Robinson. In den 80er Jahren war Ram einer der größten Stars der Wrestlingszene und auch wenn er an Wochenenden immer noch seiner großen Leidenschaft nachgeht, muss er sich mit diversen Lagerjobs durchschlagen. Nach einem Wrestlingtournier bricht Randy zusammen. Diagnose: Herzinfarkt. Es wird ihm geraten, sich aus dem Wrestlinggewerbe zurückzuziehen.

Die Beschreibung des Films trägt den Duft des Dramas, das sich sehr knapp an der Grenze zur übertriebenen Sentimentalität bewegt. Doch Aronofskys Inszenierung von Robert D. Siegels Skript „The Wrestler“ gelingt und mehr noch: Die herausragenden Leistungen der Darsteller machen dieses Drama zu einem einmaligen Filmerlebnis.

Ursprünglich wurde Nicolas Cage für die Hauptrolle gecastet, trat aber auf Wunsch Aronofskys zurück. Und sich jemand anderen als Mickey Rourke vorzustellen ist schlicht unmöglich. Er ist zweifellos das Highlight des Films und zu Recht wird bereits in ersten Reaktionen von einer möglichen Oscarnominierung gesprochen.

Fernab von Filmen wie „Rocky“ wirft „The Wrestler“ tatsächlich ein ganz anderes Bild auf das Metier. Dies liegt nicht an der exorbitant brutalen Darstellung von Kämpfen („The Wrestler“ darf durchaus zu einem der realistischsten Filme überhaupt gezählt werden was körperliche Schmerzen angeht!) sondern auch daran, dass alle Charaktere ein menschliches Gesicht haben. Nach den harten Showkämpfen und der Behandlung durch Sanitäter umarmen sich die Kämpfer meist freundschaftlich und gehen eventuell noch auf einen Drink aus. Menschlich, realistisch, emotional: So kann man wohl jeden Film von Aronofsky bezeichnen und dieser bildet da keine Ausnahme. Und da das Beste bekanntlich immer zum Schluss kommt, krönt Aronofsky sein Meisterwerk mit einem der besten Filmsongs seit langem, der zum ersten Mal im Abspann zu hören ist: Bruce Springsteens Lied „The Wrestler“ führt jeden Zuschauer dazu bis zum Ende des Abspanns sitzen zu bleiben, um das Gesehene noch ein wenig zu verarbeiten.

Die Jury auf dem Filmfestival in Venedig war sich einig: Der Film des 39jährigen New Yorkers war der beste Film des Festivals und wurde mit dem Goldenen Löwen geehrt. In Deutschland wird der Film am 26. Februar 2009 starten.



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