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Sep 2011
13
Cowboys and Aliens, Westwind, Baikonur, Mein bester Feind, Kill the Boss

What you see ist what you get! Was habe ich mich schon über deutsche Filmtitel aufgeregt. Erst in jüngster Zeit: Aus „Easy A“ wurde hierzulande „Einfach zu haben“, aus „Horrible Bosses“ „Kill the Boss“ (dazu später) und aus „Bridesmaids“, Achtung: „Brautalarm“. Aarghh! Ende letzten Monats wollte ich nach der Til Schweiger – , pardon, .. Matthias Schweighöfer Schmonzette „What a Man“ mal wieder Ehrlichkeit auf der Leinwand sehen. Was kann es also Ehrlicheres geben als einen Film mit dem Titel „Cowboys & Aliens“?

Neben einem aussagekräftigen Filmtitel reichen dem Filmfan manchmal schon drei Namen, um zu wissen, was einen im Kino erwartet. Jon Favreau, Harrisond Ford, Daniel Craig. Diese Warnsignale an die Frau/Freundin, doch besser den Abend zuhause zu verbringen, ziehen sich bis in den Titel, der weltweit schlicht „Cowboys & Aliens“ heißt. Szene aus Cowboys and AliensWorum geht´s? Nach einer Aufählung klassischer Western-Versatzstücke (Daniel Craig kommt als Fremder ohne Namen in eine Stadt, eine Saloon-Schlägerei, eine schüchteren Schönheit, der skrupellose Landlord) tauchen nach 20 Minuten Alien-Raumschiffe (!) am Abendhimmel im ariden Arizona des 19. Jahrhunderts auf. Und der Besuch aus der Zukunft ist nicht nett. Harrison Ford schlüpft als Rinderbaron in die ihm bestens bekannte Rolle des Indiana Jones, Daniel Craig wirft seine leinwanderprobte Physis in eine James-Bond-im-Wilden-Westen-Figur, fertig ist die Comic-Adaption von Jon Favreau, die gut unterhält aber auch nicht weiter überrascht. What you get is what you expect.

Wenige Überraschungen hatte ich auch bei meinem nächsten Film, einem Film von Robert Thalheim, erwartet. Bereits sein „Am Ende kommen Touristen“ war nicht mehr aber auch nicht weniger als ein schönes, sehenswertes Videotagebuch eines deutschen Zivildienstleistenden in Polen. Szene aus dem Film WestwindSein mittlerweile dritter Film „Westwind“ erzählt die Geschichte eines Zwillingspaares aus der Nähe von Leipzig, das kurz vor der Wende am Balaton in Ungarn auf die deutschen Freunde Franz Dinda und Volker Bruch trifft. Erst tauscht man sich nur über Musik aus, dann über die Kuriositäten des Alltags im Westen und im Osten und zuletzt über Fluchtpläne. Diese wahre Geschichte seiner Produzentin Susann Schimk kleidet Regisseur Robert Thalheim in berührend schöne Bilder, die Dank eines penibel authentischen Zeitkolorits, der jungen Darsteller – allen voran Friederike Becht – sowie nicht zuletzt des Verzichts auf Kitsch und Ost-West-Klischees emotional zu berühren verstehen. Wie heißt es so schön: „Manchmal kommt es anders und zweitens als man denkt“. Oder so ähnlich.

Um mal beim Thema „Überraschungen“ zu bleiben… Jetzt, Gesetz der Serie, also eine negative. Ich hatte mich sehr auf ein neues, weltentrücktes Märchen von Veit Helmer („Tuvalu“) gefreut. Szene aus dem Film BaikonurUnd was macht er? Er erzählt in „Baikonur“ die Geschichte eines jungen, verwaisten Kasachen (Alexander Asochakov), der sich in eine französche Weltraumtouristin (Marie de Villepin) verliebt. So weit so gut. Aber anstatt die absurde Märchengeschichte grotesk zu überzeichnen, spielt er mit den Klischees, stellt die Exotik einer vergessenen Dorfgemeinschaft bloß und seine hübsche Hauptdarstellerin mehr als ein Mal halbnackt zur Schau. Das Verhalten fast aller Figuren ist kaum nachvollziehbar, schauspielerisches Talent kaum vorhanden und die Moral von der Geschicht: Einen Traum zu leben lohnt sich nicht. Was hätte beispielsweise ein Regisseur wie Spike Jonze mit dieser Geschichte alles anstellen können. Schade.

Wo bleibt da der Mut der Filmemacher, fragt man sich in letzter Zeit immer häufiger. Selbst einem Wolfgang Murnberger scheint er seltsamerweise in letzter Zeit abhanden gekommen zu sein. Nur wenige europäische Regisseure hätten die Wolf Haas – Geschichten wie „Komm, süsser Tod“ (2000), „Silentium“ (2004) oder „Der Knochenmann“ (2009) besser in Bilder kleiden können als der Österreicher. Aber wenn es um eigene Drehbücher geht….. „Mein bester Feind“ heißt sein aktueller Film im Kino. Szene aus dem Film Mein bester FeindMoritz Bleibtreu spielt darin den einzigen Sohn der jüdischen Kunsthändlerfamilie Kaufmann, der mit dem „arischen“ Hausangestellten-Sohn Rudi (Georg Friedrich) befreundet ist. Weil die Kaufmanns im Besitz einer wertvollen Zeichnung von Michelangelo sind und die Nazis im Wien des Jahres 1934 ganz scharf darauf, wird Victor Kaufmann (Bleibtreu) von seinem besten Freund Rudi verraten. Zum Glück hat das Gespann Murnberger/Hengge noch ein paar überraschende Twists eingebaut, sonst wäre dieses hölzern inszenierte Spiel um Identitäten und Rollen im Nirwana deutscher Nazi-Grotesken irgendwo verloren gegangen. Zu unentschlossen wirkt diese Komödie, zu verhalten die Komik. Mehr eine Behauptung als eine Motivation, trotz eines bestens harmonierenden Schauspielergespanns Bleibtreu/Friedrich.

In der bereits seit Jahren erfolgreichen Sneak-Preview in Münster lief vor einigen Wochen die amerikanische Komödie „Horrible Bosses“ von Seth Gordon in der englischen Originalfassung. Einige Freunde hatten mir den Film wärmstens ans Herz gelegt, mit den Worten: tolle Besetzung, witzige Dialoge, unterhaltsame Geschichte. Wie dumm, dass man solche Filme immer verpasst. Oder vielleicht auch nicht? Leider konnte ich zwei Wochen später nur die deutsch synchronisierte Fassung sehen. Einiges kam mir dann aber doch seltsam bekannt vor: Hatten meine Sneaker denn noch nicht die urkomische belgisch/französische Komödie „Louise Hires a Contact Killer“ (2008) von Benoit Delépine gesehen, mit der herausragenden Yolande Moreau in der Hauptrolle? Das Theaterstück zum Film stand im letzten Jahr sogar im Programm eines tollen Münsteraner Theaters. Und es lief mit großem Erfolg. Sei´s drum.

Szene aus Kill the BossKill the Boss„, wie der Film in Deutschland heißt, erzählt die Geschichten dreier Freunde, die – so unterschiedlich sie auch sind – alle das gleiche Problem haben: Sie hassen ihren Job! Die drei Protagonisten wurden scheinbar, wie zuvor bereits in den Hangover-Filmen, in einem scharfen Zickzack-Schnitt aus der amerikanischen Mittelschicht herausgeschnitten. Was im übrigen nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen den drei Junggesellen aus Hangover und ihren unzufriedenen Arbeitnehmern aus „Horrible Bosses“ bleiben soll. Denn wie schon in Hangover sind es auch hier die Nebenfiguren, die diesem hahnebüchenen Film die nötige Würze verleihen. Das glaubwürdige Profil, dass die Drehbuchautoren Jonathan Goldstein und John Francis Daley ihren Hauptfiguren verpassen wollten, verpufft neben der grotesken Figurenzeichnung beispielsweise eines beeindruckend aufspielenden Sklaventreibers in Gestalt von Kevin Spacey, der nymphomanen Zahnärztin im Körper von Jennifer Anniston oder des urkomischen Möchtegern-Gangsters „Motherfucker Jones“ alias Jamie Foxx. Weil aber die Geschichte mit abstrusen und albernen Einfällen vorangetrieben wird, dürfte die Geschichte vor allem für die Komödienfans interessant sein, die sich gerne auf eskapistische Männerkomödien einlassen. Für mich war der Film nichts. Vielleicht lags auch an der platten deutschen Synchronisation. Ich hoffe einfach auf bessere Filme in den nächsten Wochen.



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