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Jan 2013
03
„Cäsar muss sterben“ von Vittorio und Paolo Taviani

Ein kurzer Blick zurück: Als die Regiebrüder Paolo und Vittorio Taviani im letzten Februar den Goldenen Bären bei den 62. Internationalen Filmfestspielen von Berlin, der Berlinale, erhielten, war das Gemurre groß: In einem Jahrgang mit sehr viel progressiverer Konkurrenz galt „Cäsar muss sterben“ als mutlose Wahl der Jury. Für sich betrachtet ist der Film aber ein reizvolles Experiment. Begleitet wird die Erarbeitung von Shakespeares Tragödie „Julius Caesar“ durch Häftlinge eines römischen Gefängnisses: Ehre und Verrat, Freiheit und Tyrannei, verhandelt von Mördern und Mafiosi, die am Ende wieder in ihren Zellen eingesperrt werden. Die Tavianis drehten jedoch keine Doku (selbst das Casting oder die Lebensbekenntnisse der Sträflinge werden nachinszeniert); sie stellen die Proben vielmehr in sorgfältig kadrierten Schwarz-WeißBildern nach und werfen ein neues Licht sowohl auf Shakespeares Stück als auch auf die Situation der Häftlinge. Ein 77-minütiger Experimentalfilm also, zugleich Theateradaption und Doku-Fiction. Scripted Reality, reizvoll umgesetzt, Shakespeare einmal anders.

  



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