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Feb 2007
13
Carsten Strauch: Die Aufschneider (D 2007) (gesehen am 12.02.2006 in Münster, Christian)

Filmkritiken zu schreiben und damit noch ein wenig Geld zu verdienen ist toll. Meistens jedenfalls. Heute aber nicht. Denn heute ist einer dieser Tage, die wir(?) Filmkritiker hassen. Sechs neue Filme laufen in unserer Stadt neu an. Vier davon habe ich schon in Pressevorführungen und Previews gesehen, zwei davon (noch) nicht. Doch diese zwei müssen es ausgerechnet heute sein, komme was da wolle. Einer davon ist Carsten Strauchs `Die Aufschneider`. Allein die Vorschau lies schon Böses erahnen.

Warum geht es? Zwei benachbarte Krankenhäuser müssen sich einem Wettkampf stellen. Die Stadt kann sich aus Kostengründen nur noch ein Spital leisten. Zehn Tage haben die beiden konkurrierenden Institutionen Zeit, um die Behörden von ihren Qualitäten zu überzeugen. Während die High-Tech-Anstalt St. Georg (mit Oberarzt Christoph Maria Herbst) voll auf Korruption setzt, lässt sich die Leitung der eher sympathisch verkeimten Eichwald-Klinik etwas ziemlich Haarsträubendes einfallen: Sie bauen auf ein fragwürdiges und kostspieliges Wellness-Konzept. Ein schwergewichtiger Ex-Animateur (Josef Ostendorf als hervorragendes Reiner-Calmund-Double) verwandelt das marode Krankenlager in eine irrsinnige Ferienanlage mit gemischtgeschlechtlichen Zimmern und Mariachi-Musik-Beschallung.

Leider hat auch dieser Film das `Mein Führer Virus` erwischt: Der Komödie fehlt, trotz einer guten Besetzung, die benötigte Schärfe der Satire, um über die narkotischen Witzchen der zweiten Hälfte hinwegzutrösten. Mehr als drei Lacher sind nicht drin. Schade. Ich mag Christoph Maria Herbst. Ehrlich. Doch hier kann er als fieser Oberarzt auch nicht mehr bewirken als ein, zwei, drei Mundwickelzucken hervorzurufen. Warum gelingt den deutschen Regisseuren keine Satire? Zu viel Angst? Am Abend werde ich mir das Kontrastprogramm geben. Eine Vereinsveranstaltung mit einer ungeschnittenen Fassung von Inarritus „Amores Perros“. Filme zu mögen kann so schön sein.



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