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Mai 2015
21
„Camino de Santiago – Eine Reise auf dem Jakobsweg“ von Jonas Frei und Manuel Schweizer

Ich bin ein großer Fan von Dokumentationen. Denn – ich will es nicht so verliebt ausdrücken wie einst die bezaubernde Audrey Hepburn („Everything I learned, I learned from the movies„) – wo erfährt der TV-boykottierende Cineast anderswo beispielsweise, welch positiven Einfluss ein Präsident für sein Land haben kann („Pepe Mujica“), mit welchen Schritten eine Gesellschaft ihr Kaufverhalten ändern muss, um den Planeten zu retten („10 Milliarden„) oder wie weit ein Industriezweig in der Lage ist, eine Gesellschaft zu manipulieren („Bowling for Columbine“)? – Eben. Abseits der Bibliothek nur im Dokumentarfilm.

Wer sich aber nach dem stressigen Arbeitstag in den dunklen Kinosaal setzt, der möchte nicht nur belehrt sondern mindestens auch ein klein wenig unterhalten werden. Eloquent, technisch up to date und ein wenig kontemplativ. Wie hatte es einst der große Orson Welles so treffend beschrieben: „A film is never really good unless the camera is an eye in the head of a poet„. Spannender wird es, nicht nur für den Fan, wenn ein Thema bereits von diversen Medien mehrmals besprochen und/oder beschrieben wurde: Der „Camino de Santiago“ – auf deutsch: Der Jakobsweg bespielsweise. Eine Pilgerroute durch halb Europa bis in den Norden Spaniens, von der nur der letzte Abschnitt populär wurde.

In zahlreichen Filmen („Saint Jacques – Pilgern auf Französisch“, „The Way – Dein Weg“) und Büchern („Ich bin dann mal weg“) wurde immer wieder versucht, die Faszination, die von einer Wanderung auf dem Camino ausgeht, in Worte oder Bilder zu kleiden. Zwei Filmemacher aus der Schweiz, Jonas Frei und Manuel Schweizer, wollten es 2013 von den Pilgerern direkt wissen und begaben sich mit ihren Kameras und ihren Fahrrädern (!) auf die knapp 800km lange Pilgerroute von Saint Jean Pied de Port bis ins nordspanische Santiago de Compostela. Der „typische“ Camino oder auch Camino Francés genannt.

Unterwegs haben die beiden Schweizer Filmemacher Pilger aus aller Herren Länder in kurze Gespräche verwickelt, mit immer gleichem Tenor: „Ich laufe laufe den Camino, weil…“. Ein religiöses Motiv hatte keiner der Befragten, sie alle wollten dem hektischen Getriebe des Alltags entfliehen, private oder berufliche Veränderungen verarbeiten oder hofften gar auf ein spirituelles Erlebnis. Auch Nicht-Pilgerer kommen zu Wort. Insgesamt sind es über 50 Personen und Statements in 82 Filmminuten.

Herausgekommen ist dabei insgesamt eine Dokumentation, die vieles vermissen lässt. Zwar werden die Kurz-Interviews immer wieder von betulichen Landschafts-Betrachtungen unterbrochen, die durch Off-Kommentator und eingeblendeter Landkarte ergänzt werden, doch von einem „roten Faden“ – abgesehen vom geographischen – ist weit und breit keine Spur. Zudem sind Filmmusik, Schnitt und Ton von derart semi-professioneller Qualität, dass der Betrachter bereits nach 20 Minuten sehr schnell die Lust auf die Doku und damit auch auf den Camino verliert.

 

 



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