BLOG

Sep 2006
28
Brian de Palma: The Black Dahlia (USA 2005) (gesehen am 13.09.2006, Pressevorführung, Christian)

Ein großartiges Set, die Eröffnung erinnert ein wenig an „King Kong“ oder „L.A. Confidential“. Kein Wunder, handelt es sich wie bei letzterem auch bei „The Black Dahlia“ um eine James Ellroy Verfilmung. Seit fast zwanzig Jahren warten Fans von James Ellroy auf die Verfilmung seines Romans, der um einen berühmten ungelösten Mordfall aus dem Jahr 1947 gestrickt ist. Selbst nach dem Erfolg der ersten Ellroy-Verfilmung dauerte es noch einmal fast zehn Jahre, bis De Palma auch mit deutschen Mitteln den Film in Bulgarien drehen konnte.

„The Black Dahlia” erzählt die Geschichte zweier Cops des Los Angeles Police Department (Josh Hartnett und Aaron Eckhart), die den brutalen Mord an der zweiundzwanzigjährigen Elizabeth Short untersuchen, deren verstümmelte Leiche auf einem leeren Grundstück gefunden wurde. Wegen ihrer Haare und einer Vorliebe für schwarze Kleider wurde sie von der Presse „schwarze Dahlie” getauft. Der Fall beschäftigte die Phantasie auch deshalb so dauerhaft, weil die unfaßbare Brutalität der Tat in Kontrast gesetzt wurde zur vermuteten Unschuld eines Mädchens, das wie so viele andere ihren Träumen nach Hollywood gefolgt war, um sich dort einen Namen zu machen.

Ellroy hat um das Opfer herum eine Geschichte entworfen, die direkt ins schwarze Herz Hollywoods führt, zum Stummfilm-Mogul Mack Sennett und den Grundstücksspekulanten, denen die Stadt letztlich die weltberühmten Buchstaben auf den Hügeln verdankt. Brian De Palma hat das aufgegriffen und eine Art Kompendium des Film Noir inszeniert, in dem es wie in seinem eigenen Werk von Doppelgängern nur so wimmelt. Die beiden unterschiedlichen Cops fühlen sich zum Bild einer Toten hingezogen. In diesem Netzwerk aus Lügen, Träumen und Gewalt geht es nicht nur aber auch um die zwei Cops, die genauso unterschiedlich sind wie die beiden Frauen, die blonde Scarlett Johansson, die zwischen den beiden Helden steht, und die schwarze Hilary Swank, die ein verwöhntes Gör aus reichem Hause mit einem Hang zu billigen Vergnügungen ist. Im Zentrum des Ganzen, das zuerst nicht leicht auszumachen ist, steht aber die Tote, und De Palma hat eine geniale Einstellung gefunden, mit der er den Leichenfund in Etappen inszeniert. Nach einer nicht immer leicht nachvollziehbaren detektivischen Aufklärungshatz ist de Palma mit der herausragenden Besetzung ein furioser Vierziger-Jahre-Kostümfilm gelungen, der die Ästhetik des alten Kinos wiederbelebt.



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*