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Jan 2017
20
Blumen von gestern, Die

Gedenken ist wichtig und nötig, gewiss. Doch allzu oft erschöpft sich eine Rückbesinnung in Floskeln. Und das Gedenken an den Holocaust? Im Kino wird es meist eher bemüht als erhellend durchexerziert. Regisseur Chris Kraus („4 Minuten, „Poll„) versucht es anders: Er erzählt vom Gedenkbusiness konsequent als Posse. Lars Eidinger ist derjenige, der in „Die Blumen von gestern“ dem Affen ordentlich Zucker gibt, wie sonst nur auf der Bühne: Er spielt den von Schuldkomplexen zerfressenen Holocaustforscher Toto, einen fahrigen Neurotiker, der es nicht erträgt, dass sein Chef (Jan Josef Liefers) die geplante Auschwitz-Konferenz zum Event eines Autokonzerns verkommen lässt. Dann stellt sich auch noch dessen junge Liebhaberin Zazie (Adèle Haenel aus „Das unbekannte Mädchen“), eine französische Jüdin, als Praktikantin vor.

Das Gekabbel von Täter-Enkel und Opfer-Enkelin auf Dienstreise nach Lettland ist grenzwertig albern, und die Inszenierung präsentiert sich oft so klamottig, als habe der Wunsch nach einem schwarzhumorigen Blickwinkel Zwischentöne obsolet gemacht. Alles bei Kraus ist überdreht, was man, je nach Geschmack, befreiend oder nervtötend finden kann. Früchte trägt das Konzept nur dann, wenn es konkret satirisch wird: wenn eine Shoah-Überlebende nicht die weise Alte spielen will oder am Holocaust-Mahnmal eine Getränkeverkäuferin das Bild stört. Letzten Endes, zeigt das, kommt nicht die Erlösung, sondern nur der nächste Tourist.

 

Kritikerspiegel Die Blumen von gestern



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.
 



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