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Sep 2017
23
Blind und hässlich

„Willst Du mit mir gehen?“ fragt der junge, zauselige Mann die junge Frau auf der Wiese. Beide sind sich unbekannt. Letztere hatte den Mann, der gleichzeitig Hauptdarsteller und Regisseur des Films ist, gar nicht bemerkt. Ferdi, der eigentlich Tom Lass heißt, hatte sich von hinten an die sitzende Frau herangeschlichen. Als diese gerade eine Kuh melkt. Ferdi, gespielt von Lass, ist nicht dumm. Ferdi ist einsam. Und er glaubt, dass er hässlich ist. Um dies auch sein Publikum Glauben zu lassen, rennt die junge Frau an der Kuh plötzlich schreiend davon.

Comedy? Sketchparade? Klamauk? Unter dem Label „LassBros“ (zusammen mit seinem Bruder Jakob, „Love Steaks“) versammelt Tom Lass einmal mehr eine Reihe deutscher Jungdarsteller (Naomi Achternbusch, Anna Brüggemann, Robert Gwisdeck) und erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte von einem depressiven Streuner (Tom Lass selbst) und einer vermeintlich blinden Abiturientin (Naomi Achternbusch).

Ferdi und Jona (Name der vermeintlich blinden Abiturientin) waren sich auf der Straße begegnet, als Jona gerade mit ihrem Blindenhund spazieren ging. Ferdi wollte just von einer Brücke springen, als Jona ihn um einen Gefallen bittet. Was Ferdi nicht weiß ist, dass Jona ein Geheimnis hat, das sein Traum von einer Beziehung auf eine harte Probe stellen könnte: Jona kann in Wahrheit nämlich sehr wohl sehen und stellt sich nur blind, um nach dem Abbruch ihres Abis und der anschließenden Flucht von zu Hause ein Zimmer im Wohnheim ihrer tatsächlich blinden Cousine Cecile (Clara Schramm) zu bekommen.

Verrückte Dialoge, amateurhafte Jump-Cuts, bis zum Klamauk überzeichnete Figuren, … was sich zwischen Jona und Ferdi entwickelt, ist schwer erträgliches Mumblecore-Impro-Theater, das allen Beteiligten zwar sichtlich Spaß gemacht haben muss, vor allem an der Groteske und am „over-acting“, als Zuschauer jedoch spätestens beim Brust-Zwicken in einer Frauenarztpraxis oder bei Tom Lass´ WG-Auseinandersetzungen nur schwer erträglich ist. Dabei mochte ich Lass´ Vorgänger „Kaptn Oskar“ sehr.  „Blind und hässlich“ – Schnell vergessen.

 

 



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