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Feb 2015
06
„Black Sea“ von Kevin Macdonald

Ein Film von Kevin Macdonald. Von DEM Regisseur, der seine Zuschauer so fest an die Hand nimmt, dass man mit ihm immer wieder gerne eine Reise unternimmt. Auch wenn sie nach Uganda („Der letzte König von Schottland„), Jamaika („Marley“) oder in eine Zeitungsredaktion („State of Play„) geht. Ob der Schotte auch das Sub-Genre „Submarine-Action“ beherrscht? Als Fan von „Das Boot“ (von Wolfgang Petersen, der meine Kino-Sozialisation entscheidend mit geprägt hat), „Jagd auf Roter Oktober“ und Co. war ich sehr gespannt.

Bereits der Beginn des Films legt die cineastischen Wurzeln von Kevin Macdonald offen: Eine Ansammlung historischer Dokumentarfilmszenen mit Kämpfen zwischen U-Booten und Zerstörern aus dem 2. Weltkrieg. Szenen, die den Dokumentarfilmer Macdonald erkennen lassen und die den Zuschauer in die Zeit auf See zurückversetzen. Über diese Szenen legt Macdonald rote Farbe. Als wolle er damit an die zahlreichen Verluste sowie an die Heldenhaftigkeit der Seeleute erinnern. Einer wird seine Geschichte erzählen. Allerdings 70 Jahre später, im Hier und Jetzt: Robinson. Ebenfalls ein Schotte. Robinson, der 30 Jahre zur See gefahren ist und dadurch Frau und Tochter verloren hat, wird nach 11 Jahren bei einem Bergungsunternehmen von seinen Aufgaben enthoben. Plötzlich steht Robinson ohne Alles da. Mit Ende vierzig. In diesen Momenten wähnt man sich in einem der Sozialdramen von Ken Loach, der ja immer eine besondere Vorliebe für die schottische Arbeiterklasse pflegte.

Aber „Black Sea“ will die Geschichte eines Himmelfahrtkommandos erzählen, was – und das darf man jetzt vorwegnehmen – Macdonald bei Weitem nicht so spannungsreich gelingt wie beispielsweise seine Geschichte eines Schotten in Uganda unter der Herrschaft des Diktators Idi Amin in „Der letzte König von Schottland“. Als Robinson von einem deutschen U-Boot hört, das seit dem Zweiten Weltkrieg vor der Küste Georgiens auf dem Grund des Schwarzen Meeres liegt und einen millionenschweren Goldschatz in sich birgt, sieht er seine Chance auf Geld und Reichtum gekommen. Ein Sponsor ist schnell gefunden, und eine Crew aus abgewickelten britischen wie russischen Seeleuten macht sich mit einem rostigen U-Boot auf die Suche nach dem Nazi-Gold. Klar, dass diese Unternehmung nicht gut ausgehen kann.

Der Look stimmt: Selten war ein Film aus dem Submarine-Genre so deprimierend, so rostig, so brutal herzlos. Der Kapitalismus in seiner miesesten Ausformung. Aber auch wenn Womanizer Jude Law die Rolle des gierigen Kapitäns glaubhaft ausfüllt, das Innenleben in einem U-Boot nachempfindend klaustrophobisch skizziert wird, die unrythmische, teilweise stockende Erzählung, sowie die allzu bunte Mischung der Charaktere verhindert einen dringend benötigten „Mitfühl- bzw. Mitfieber-Effekt“, der so wichtig ist in diesem Genre.

 




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