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Feb 2015
12
Berlinale 2015 – Retrospektive – „Snow White and the Seven Dwarfs“ von David Hand

Szene_Snow_White_Disney„Disney´s Folly“ wurde das Projekt genannt, in das Walt Disney kolossale anderthalb Millionen Dollar und die Arbeitskraft des gesamten Studios investierte. Die Vorabpresse schwankte zwischen Häme und Ratlosigkeit. Wer sollte sich „Snow White and the Seven Dwarfs“ ansehen? Es wurden schließlich mehrere Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt. Doch der Erfolg des ersten Animationsspielfilms scheint auf den ersten Blick überraschend.

Nach einem Prolog beginnt die Handlung statt mit der Hauptfigur mit deren Widersacherin. Die Stimmung wechselt sprunghaft zwischen Romantik, Schrecken und Komik. Charaktere erscheinen aus dem Nichts, in das sie unerklärlich wieder versinken. Der tragische Handlungshöhepunkt wird unversehens zum Happy End. Es sind Charakteristika des Märchens, dem Snow White und der einst mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete „Cinderella“ enger verbunden sind als die späteren Disney-Zeichentrickklassiker, die mehr den Konzepten des klassischen Hollywood-Kinos folgen. Wie zahlreiche Grimms Märchen ist die Kitsch und düstere Poesie vereinende Erzählung ein Horrorwerk für Kinder und Erwachsene.

In den auf Illustrationen Gustaf Tengrens basierenden Bildern lauern neben possierlichen Tierchen und Zwergen im tiefen dunklen Wald Hexen, Bestien und Mördern. Ihnen allen begegnet Schneewittchen, doch sie sind nur makaberer Schabernack gleich den tanzenden Skeletten aus den „Silly Symphonies“. Verstörend bleibt der Zeichentrickklassiker durch die übermächtige Schurkin. Königin und Schneewittchen sind zwei Facetten des gleichen Charakters und verkörpern die Extreme von Güte und Bosheit. Nicht Schneewittchen fürchtet die Königin, sondern die Königin Schneewittchen. Der Blick in den Spiegel zeigt ihr die verhasste Konkurrentin als unerreichbares jüngeres Ich, das sie mit diabolischer List zerstören will:

Queen: Yes. One bite, and all your dreams will come true.
Snow White: Really?
Queen: Yes, girlie. Now, make a wish, and take a bite.

Das Versprechungen, mit der sie Hexengestalt Schneewittchen zum Biss in den Apfel verlockt, ist das aller Disney-Spielfilme: Träume gehen in Erfüllung, Wünsche werden wahr. Die späteren Disney-Prinzessinnen glauben ebenfalls daran und zur Belohnung erfüllen sich ihre Träume tatsächlich, genauso wie Schneewittchens Traum von Prince Charming. Er reitet zum Schluss mit ihr ins Schloss der Königin, wo Schneewittchen deren Platz einnimmt und „Happily ever after“ lebt. Solange sie die Schönste im Land ist.

Berlinale 2015 – Retrospektive
Regie: David Hand
USA 1927
83 Minuten

Sa. 07.02., 13:30h CinemaxX 8; So. 15.02., 12:30h Zeughauskino

 




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