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Feb 2015
11
Berlinale 2015 – Panorama Special – „Nasty Baby“ von Sebastián Silva

Szene_Nasty_BoyWas für ein Start: Der verquere Kamerablick auf Affektiertheit und Affekte der New Yorker Bohéme ist exakt, was sein Titel verspricht: das hässliche Kind des Geistes von Sebastián Silva, der sich in seiner verkrampften Komödie die Hauptrolle auf den Leib schrieb. Dieser Umstand macht die hämische Story doppelbödiger, als dem Regisseur und Drehbuchautor offenbar bewusst ist. Silvas Leinwand-Ich, der cholerische Künstler Freddy, arbeitet an einer Video-Installation, in der er und Bekannte Babyverhalten nachstellen. Das Resultat ist richtig ätzend – da wäre der erste Bezug zum Filmtitel – und wirkt von Anfang an ähnlich verkalkuliert wie die gesamte Handlung.

Mit seiner besten Freundin Polly (Kirsten Wiig) arbeitet Freddy an einem anderen Projekt, für das beide die Hilfe von Freddys Partner Mo (Tunde Adebimpe) benötigen. Konkret: Mos Samen. Wer das Kind eigentlich warum unbedingt will, bleibt unklar. Umso deutlicher macht der Plot, dass ein Kind aus einer unkonventionellen Familienkonstellation etwas widerwärtiges sei – der nächste Bezug zum Titel. Da sieht man, wohin das führt, wenn traditionelle Vater-Mutter-Kind-Schema aufgebrochen wird! Kiffende schwule Möchtegern-Künstler und Single-Frauen beanspruchen für sich, was Gott ihnen aus gutem Grund vorenthält! In einer bezeichnenden Szene wird Polly vorwurfsvoll von einer werdenden Mutter gefragt, warum sie denn glaube, dass es bei ihr mit dem Nachwuchs bisher nicht geklappt habe. Die implizierte Antwort liegt auf der Hand: jemand da oben hat etwas dagegen!

Damit keine Zweifel an der moralischen Verwerflichkeit des Protagonisten-Trios bleibt, geraten sie in eine Fehde mit dem geistig verwirrten Nachbarn The Bishop (Reg E. Cathy). Der terrorisiert mit Attacken und Pöbeleien die Nachbarschaft, für die Silva nur Verachtung übrig hat. Dabei sind der altersschwache homosexuelle Anwohner Richard (Mark Margolis) und Freddys junge Assistentin Wendy (Alia Shawkat) bis auf kleine Exzentrizitäten völlig normal. Was tatsächlich nasty erscheint, ist der reaktionäre moralische Maßstab, an dem die Figuren gemessen werden. Dass gleichgeschlechtliche Paare oder Singles einen Kinderwunsch hegen, ist für Silva augenscheinlich der blanke Horror. In solchen schlägt die holprige Komödie um. Das letzte Drittel wirkt wie der Anfang eines Teenie-Slashers a la „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. Das Endprodukt ist ein zeitgenössisches Pendant zu Sensationsstreifen wie „Reefer Madness“ und „Boys Beware!“, nur nicht lustig. Dazu ist das Weltbild dahinter einfach zu … hässlich.

 

Berlinale 2015 – Panorama Special
Regie: Sebastián Silva
USA 2014
100 Minuten

So. 08.02., 21:30h Zoopalast 1; Mo. 09.02., 13:00h CinemaxX 7;
Di. 10.02., 17:00h Cubix 9; Sa. 14.02., 22:30h CinemaxX 7

 




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