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Feb 2014
07
Berlinale 2014 – Perspektive Deutsches Kino – „Hüter meines Bruders“ von Maximilian Leo

Bild (c) Matteo Cocco

Bild (c) Matteo Cocco

Wasser, Wasser überall: das Meer, auf dem der 32-jährige Gregor und sein jüngerer Bruder Pietschi jedes Jahr segeln gehen, die Wassernuancen in Pietschis verlassener Wohnung, in deren Zimmern Gregor tiefer und tiefer in das Leben seines Bruders eintaucht, die Wasseraufnahmen, die fließenden Dia-Projektionen in Maximilian Leos Spielfilmdebüt bedeutungsschwer auf die Leinwand geworfen, die Gewässer, die den sonst so rationalen Gregor auch in der Stadt zu sich zu rufen scheinen, als spräche durch sie Pietschi. Er war der Unstete, Unbeständige, Unfähige – jedenfalls in den Augen Gregors.

Erfolg bedeutet für Gregor private und berufliche Stabilität und Konstanz; die darin verborgene Monotonie ist die Antithese des die Inszenierung durchziehenden Wasser-Motivs. Das allegorisch inszenierte Element ist in ständiger Bewegung begriffen, unberechenbar und letztendlich unergründlich. Genau wie Pietschi, der nach dem letzten gemeinsamen Bootsausflug vom Erdboden verschluckt scheint. Mit jedem Tag, der ohne ein Lebenszeichen vergeht, spürt Gregor mehr den Verlust Pietschis als den Verlust seines Ich.

Umso weiter er sich in die Existenz des anderen vorwagt, umso mehr verliert er in seiner eigenen den Halt. Die unterdrückten Anteile seiner Persönlichkeit, die er buchstäblich in den Schuhen des Bruders auslebt, entwickeln sich zu einem pathologischen Strudel. Ob der zerrissen Hauptcharakter sich dem Sog entziehen kann, ist für die hochgestochene Figurenstudie weniger bedeutsam als die Frage, ob er es überhaupt will. Der verbildlichte Seelenkonflikt bleibt indes zu schwammig und formalisiert, um den konventionellen Plot zu tragen. Stille Wasser sind nicht immer tief – auch dieses nicht.

Berlinale 2014 – Perspektive Deutsches Kino
Regie: Maximilian Leo
Deutschland 2014
88 Minuten

Fr. 07.02., 19:30h CinemaxX 3 (E); Sa. 08.02., 20:00h HAU Hebbel am Ufer (mit anschl. Diskussion)
Sa. 08.02., 13:00h Colosseum 1 (E); Sa. 08.02., 20:30h CinemaxX 1 (E)



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