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Feb 2014
08
Berlinale 2014 – Panorama – „The Man of the Crowd“ von Marcelo Gomes

Bild (c) Berlinale

Bild (c) Berlinale

Ich bin müde„, sagt der Straßenbahnschaffner Juvenal in einer Szene. Das ist eine Aussage, mit der ich mich identifizieren kann. Besonders während des Anschauens von Marcelo Gomes und Cao Guimaraes Beitrag zum Berlinale Panorama. Ansonsten gibt es nicht viele in dem langatmigen Drama: weder Identifikationsmöglichkeiten, noch Aussagen. Der unzugängliche Hauptcharakter schweigt die meiste Zeit vor sich hin. Damit ist er nicht der einzige in Brasiliens Millionenstadt Belo Horizonte. Seine Kollegin Margo starrt ebenfalls gern stumm ins Leere, zur Abwechslung auch mal auf ihr Smartphone oder den PC-Bildschirm, was bei den stupiden Spiel- und Dating-Sites, die sie dort aufruft, auf das gleiche herauskommt.

Mit Menschen klar zu kommen, das ist schwer„, bilanziert Margo, „denn Maschinen versagen nicht.“ Einmal überwindet sie sich, Juvenal anzusprechen. In der tristen Betoneinöde, wo jeder auf sich konzentriert scheint, ist die verbale Annäherung lediglich Eigennutz. Margo braucht einen Trauzeugen für ihre Hochzeit mit einer Online-Bekanntschaft und da sie keine realen Freunde hat, fällt ihr nur Juvenal ein. Bloß nicht zu viele Charaktere einbauen, dachte sich das Regie-Duo offenbar, sonst entgeht dem Publikum noch etwas von der Geschichte. Deren literarische Vorlage stammt von einem Autor, dessen Namen in Zusammenhang mit dem drögen Konstrukt zu nennen, fast Blasphemie scheint: Edgar Allan Poe. Die Alltagsstudie einer anankastischen Persönlichkeit in einer indifferenten Gesellschaft ist somit die ermüdendste Edgar-Allan-Poe-Adaption, die ich je gesehen habe (und ich kenne die obskure Kurzfilmversion von „The Tell-Tale-Heart“). Besser als nichts – aber nicht viel besser.

 

Berlinale 2014 – Panorama
Regie: Marcelo Gomes, Cao Guimarares
Brasilien 2013
95 Minuten

Sa. 08.02., 14:30h International (E); Mo. 10.02., 22:30h CinemaxX 7 (E);

Di. 11.02., 20:15h CineStar 3 (E); Mi. 12.02. 22:30h Cubix 7 (E);

Mi. 12.02., 22:30h Cubix 8 (E)

 




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