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Feb 2014
14
Berlinale 2014 – Forum – „Non-fiction Diary“ von Jung Yoon-suk

Bild (c) Berlinale 2014

Bild (c) Berlinale 2014

Der Titel, den Jung Yoon-suk über seinen sukzessiven Zeitabriss im Berlinale-Forum stellt, ist keineswegs eine unbeabsichtigte Tautologie. Er ist ein mittelbarer Verweis auf die untrennbare Verschlingung der individuellen Befindlichkeit mit der psychosozialen Konstitution des nationalen Umfeldes. Dieses kollektive Milieu ergründet Jungs Gesellschaftsanalyse, die die medial-historischen Fixpunkte des Koreas der 90er revidiert.

Eines der schockierendsten war ein wahrer Leichenschmaus. Motiviert von Sadismus und fanatischem Hass auf die Oberschicht machten die Mitglieder der sogenannten Chijon Family 1994 Jagd auf reiche Opfer. Sie wurden eingefangen, geschlachtet und zum Teil verspeist: Eat the Rich. Das einzige, was ein Angehöriger der kannibalistischen Familie offiziell bedauerte, war nicht mehr Menschen erwischt zu haben. Das gelang im Oktober des gleichen Jahres den Konstrukteuren der Seongsu Brücke. Über 30 Menschen verloren ihr Leben als deren fehlerhaft verschweißtes Gerüst einstürzte.

Der tragische Vorfall sollte im Folgejahr durch ein noch verheerenderes Ereignis in den Schatten gestellt werden. Ebenfalls aufgrund eines Baufehlers fiel am 29. Juni 1995 das Sampoong-Gebäudes in Seoul in sich zusammen. Mehr als 500 Besucher starben, beinah 1000 wurden verletzt. Die Katastrophe steht als symbolische Kulmination eines maroden Systems. Der Einbruch des internationalen Finanzmarktes erweitert den Bedeutungsradius zu einer beunruhigenden Bestandsaufnahme des Zustands globaler staatlicher und wirtschaftlicher Konstrukte: gefährlich instabil.

 

Berlinale 2014 – Forum
Regie: Jung Yoon-suk
Republik Korea 2013
93 Minuten

 

So. 09.02., 20:00h Kino Arsenal 1 (E); Mo. 10.02., 15:00h Cubix 7 (E);
Mi. 12.02., 21:45h CinemaxX 4 (E); Fr. 14.02., 11:00h CineStar 8 (E)

 




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