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Feb 2012
13
Berlinale 2012 – Panorama – „Parada“ von Srdjan Dragojevic

Szene aus dem Film Parada„Wenn wir Schwulen und Lesben Rechte garantieren, fordern die irgendwann sogar Zigeuner und Albaner!“, fürchtet Limu (Nikola Kojo). Dass der grobschlächtige Schläger Belgrads erste Schwulen-Parade vor extremistischen Gegnern schützen soll, gefällt ihm so wenig wie dem aus einem Kroaten, einem Kosovo-Albaner und einem bosnischen Muslim bestehende Trio alter Kampfgenossen, das der Waffennarr mit krimineller und soldatischer Vergangenheit rekrutiert. Doch Klischee und Klischee gesellt sich gern, lernt selbst der unfreiwillige Verteidiger der Menschenrechte, dessen Figur so flach und stereotyp ist wie die der homosexuellen Figuren Srdjan Dragojevics Brachial-Satire.

Hinter dem markigen Gestus der erklärten Schwulen-Hasser verbergen sich Vorkämpfer der Toleranz, auf deren Seite sich sogar Limus rechtsradikaler Sohn schlägt. Die einzigen Stereotypen, die es die holprige Mischung aus Buddy- und Message-Movie überzeugend vorzuführen gelingt, sind die eigenen. „Parada“ bedient die Klischees, die anzuprangern er sich vorgenommen hat, nicht nur, er bestätigt sie indirekt. Vielleicht fand der Film nicht zuletzt dank diesen verkappten Reaktionismus trotz seines Themas schon in den ersten Spielwochen regen Zuschauerzuspruch. Womöglich ist die die Hoffnung auf diesen – international und auf Festivals wie der Berlinale, wo Dragojevics von Klamauk zu Sentiment wechselndes Pamphlet im Forum läuft – Dragojeovics eigentliche Motivation. Wie Limu erklärt: Ein Söldner weiß, wofür er kämpft: seinen Lohn.

Berlinale Panorama
R.: Srdjan Dragojevic
Serbien, Republik Kroatien, Slowenien 2011
115 Min.

Mo. 13.02. 17:30h Friedrichstadt-Palast; Di. 14.02. 10:30h CinemaxX 7; Mi. 15.02. 17:00h Cubix 9; Do. 16.02. 21:30h Babylon Kreuzberg; Sa. 19.02. 20:00h International



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Eure Kritiken zu Berlinale 2012 – Panorama – „Parada“ von Srdjan Dragojevic

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  4. Sunny

    Ein Hammer Film. Super lustig und unterhaltsam. Allerdings spiegelt er auch eine sehr arme und Primitive Seite vieler Länder der Welt wieder, die Menschen aufgrund ihrer Sexuellen Orientierung disskriminieren, verurteilen, erniedrigen. Dieser Film zeigt wie einfach man mit toleranz leben kann ohne seine Wertvorstellungen in irgendeiner Art und Weise zu verändern oder zu vergessen. Er ruft zur versöhnung auf, aller Menschen ganz gleich welcher sexuellen Orientierung, Herkunft oder Hautfarbe. Ein gelungener, vor allem realer Film für den sich jeder Kinogang lohnt.

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