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Feb 2012
12
Berlinale 2012 – Generation KPlus – „Die Kinder vom Napf“ von Alice Schmid

Szene aus dem Film Die Kinder vom NapfWas können wir tun, dass mehr Leute nach Ramoos kommen?„, fragt der Lehrer die Klasse, für die es mit Seilbahn über Berggipfel zum Unterricht geht. „Wir sollten Ramoos etwas berühmter machen.“, sagt eine der jungen Protagonisten filmischen Lektion in gottesfürchtiger Heimatkunde. „Wie Hollywood. Vielleicht nicht ganz so berühmt.“ Zu bescheidenem Filmruhm hat es auch der berühmteste Einwohner der beschaulichen Berggemeinde gebracht, dessen Platz Alice Schmid ins Auge gefasst zu haben scheint.

Ihr Eröffnungsbeitrag zu Berlinale Generations ist mehr als eine Hommage an ihren Heimatort, es ist eine nie hinterfragende Idealisierung von Tradition und Religionsverankerung, die als selbstverständlicher Alltagsbestandteil der 50 Bergbauernkinder, die der Dokumentarfilm durch ihren Alltag begleitet. Der Plot schleppt sich dumpf dahin wie das Alphorn im Hintergrund der Szenen von Kinder, die frisch hergestellten Apfelsaft trinken, Katzenjunge und Hofhühner streicheln, über saftige Sommerwiesen rennen und Steine in Wildwasserbäche werfen. Außer an Sonn- und Feiertagen, erklärt ein Junge. Da geht es zur Kirche. Und beim Essen das Tischgebet aufzusagen. Das scheint so unverzichtbar wie Heimatverein, Blasmusik und ein von zwei kleinen Mädchen vorgetragenes Volkslied darüber, wie glücklich und friedlich sie leben auf der Alm. Über der hängt das drückende Gefühl, immer stehe jemand hinter den Kinder und soufflieren ihnen, auf dass kein kritisches Wort falle. Wie eines der Kinder aus dem Englischaufsatz für das internationale Festivalpublikum vorträgt: „When You are among farmers, You have a lot of fun.“ Im Kino gilt das nicht unbedingt.

Berlinale Generations
R.: Alice Schmid
Schweiz 2011
87 Min.

Fr. 10.02. 15:30h, Haus der Kulturen der Welt Kino 1; Sa. 11.02. 14:00h, CinemaxX 3; So. 12.02. 10:00h, Filmtheater am Friedrichshain; So. 12.02. 18:30h, Toni und Tonino



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