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Feb 2012
17
Berlinale 2012 – Generation 14plus – „Night of Silence“ von Reis Celik

Szene This Aint SilenceDenk an deine Ehre und die Ehre deiner Familie.“, mahnt die Mutter die verschleierte Braut, bevor sie das Ehegemach und die junge Tochter verlässt. In jener Brautkammer, in der Reis Celiks scheues Trauerspiel seine Geschichte, die zentralen Figuren und den Zuschauer einschließt, verstreicht die titelgebende Nacht des leise berührenden Beitrags der Berlinale Generations, die ein in Hochzeitskleid und Brautschleier gehülltes kleines Mädchen mit einem alten Mann zusammenführt.

Das mit der visuellen Lyrik eines tragischen Märchens erzählte Kinderdrama ist im ländlichen Anatolien zugleich bittere Wirklichkeit. Ähnlich einer kindliche Scheherazade ersinnt die Braut immer neue Verzögerungen, deren nachhaltigste die der Legende von der Schlangenkönigin ist. Die mythischen Symbole verwebt Celik mit dem psychologischen Metatext, der beide Protagonisten gleichermaßen als Opfer patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen und rigider Familienhierarchien erkennt. Das Ereignis, in dessen stummer Erwartung Celiks „Night of Silence“ liegt, ist für das Mädchen der erste Schritt auf einem Lebensweg, an dessen Ende der Bräutigam angelangt ist. Er ist vorgezeichnet von äußerem Zwang, gegen den der Ehemann ebenso machtlos ist wie seine kindliche Gattin: „Nenn es Schicksal, nenn es Brauchtum, nenn es Tradition.“

Berlinale Gnerations
R.: Reis Celik
Türkei 2012
92 Min.



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