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Mai 2011
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Benedek Fliegauf: Womb (F, D, Ungarn 2010) gesehen am 12.05.2011, DVD-Screener

Die Kamera fliegt an der norddeutschen Küste vorbei. Sie vermittelt ein trostloses Bild von Einsamkeit, Rauheit und Naturgewalt. In diese Szenerie setzt der ungarische Regisseur Benedek Fliegauf den Samen für eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Als die 12-jährige Rebecca während der Sommerferien ihren Großvater besucht, lernt sie den gleichaltrigen Tommy kennen. Aus der Freundschaft entwickelt sich eine unschuldige, kindliche Romanze, die jedoch nur von kurzer Dauer ist, denn Rebecca wird mit ihrer Mutter ins ferne Tokio ziehen. Zwölf Jahre später, nach ihrem Studium, kehrt Rebecca (Eva Green) an den Ort ihrer damaligen Sommerferien zurück. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer einstigen Jugendliebe und trifft auf den immer noch kindlich verspielten Weltverbesserer. Die Anziehungskraft zwischen ihr und Tommy (Matt Smith) ist ungebrochen und eine leidenschaftliche Beziehung beginnt. Die findet jedoch nur wenig später ein tragisches Ende, als Tommy bei einem Autounfall ums Leben kommt. Rebecca kann den Verlust nicht akzeptieren und fasst den folgenschweren Entschluss, sich mit Tommys DNA künstlich befruchten zu lassen, um ein Kind auszutragen, welches das exakte genetische Ebenbild ihres Geliebten darstellen wird.

Das sehr bildgewaltige aber behutsam und feinfühlig inszenierte Drama fällt nach einem vielversprechenden Beginn mutlos dramaturgisch in sich zusammen. Mit sparsamen Einstellungen und Gesten entwickelt Fliegauf eine große Liebesgeschichte, die viele Fragen in den Raum wirft und die Themen Klonen und Inzest anreißt, um im letzten Akt den Zuschauer damit völlig alleine zu lassen. Am Ende entpuppt sich das auf zwischenmenschliche Beziehungen fokussierte Zukunftszenario als eine zwar hervorragend gespielte aber mit zu vielen überflüssigen Gesten angereicherte Ego-Show einer einsamen Witwe. Schade. Der Film hatte bereits am 07. April 2011 Bundesstart in den deutschen Kinos. 



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