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Nov 2014
17
„Bären“ von Alastair Fothergill und Keith Scholey

Nah dran an den Hauptdarstellern der Natur. Noch näher. Dazu ein Off-Kommentar, der die Geschehnisse vor der Kamera nicht nur beschreibt, sondern ihnen eine „menschliche“ Note verleiht. Das ist das Erfolgsrezept hinter dem Label „Disneynature“. Disneynature, eine erfolgreiche Abteilung im Hause Disney, im April 2008 gegründet, um „die Tradition von Walt Disney fortzuführen, der selbst ein Pionier des Naturfilms war und zwischen 1949 und 1960 13 sogenannte ´True Life Adventures` produziert hat“ (Zitat Presseheft).

Dank der herausragenden Arbeit des Zoologen und Filmemachers Alastair Fothergill mit Filmen wie „Unsere Erde“, „Im Reich der Raubkatzen“ oder „Schimpansen“ kommen mittlerweile vier der fünf an den US-Kinokassen erfolgreichsten Naturdokumentationen aus dem Hause Disney. Ob der ehemalige BBC-Dokumentarist allerdings so glücklich war mit dem Off-Kommentar, in diesem Fall im Original gesprochen von John C. Reilly? Da bin ich mir nicht sicher.

In der neusten Produktion, die das Label „Disneynature“ trägt, geht es um eine Braunbärenfamilie. Zielgruppengerecht stehen zwei Bärenkinder im Mittelpunkt, die mit der Mutter von den hohen, schneebedeckten Bergen Alaskas ins tiefe Tal ziehen, um das Jagen und wichtige Lektionen für´s Leben und vor allem Überleben zu erlernen. Ein glücklicher Zufall, dass die beiden Bärenkinder, die von den Verantwortlichen die Namen Amber und Scout bekommen, unterschiedlicher kaum sein können. Während sich Amber stets an der Seite der Mutter (Sky) aufhält, ist Scout ein neugieriger Draufgänger, der sich gerne mal mit einem („bösen und sehr hungrigen“) Wolf anlegt.

Die Geschichte(n) rund um Verantwortung einer Mutter für ihre Kinder, Opferungs- und Verteidigungsbereitschaft einer Grizzly-Mutter sowie der harte Überlebenskampf bei Nahrungsknappheit erzählt nicht die Bärenfamilie selbst sondern entstammt der Feder der Verantwortlichen. Ein Ärgernis. Wer aber die Arbeiten des BBC-Zoologen Alastair Fothergill kennt, darf auch diesmal hoffen, dass die meisten Aufnahmen NICHT gestellt sondern „nur“ passend arrangiert sind.

Vielmehr sollte sich der Kinobesucher auf die atemberaubenden Tier- und Landschaftsaufnahmen konzentrieren. Erst Recht, wenn sich – wie im Fall von „Bären“ – die menschenleeren Berge, Flüsse und Täler Alaskas auf der großen Kinoleinwand erstrecken. Eindrucksvolle Bilder mit „Wow-Effekt“.

Warum jedoch wilde Raubtiere mit Namen wie Amber, Scout, Sky oder Magnus zu zotteligen Teddybären verniedlicht oder neugierige Besuche einiger Artgenossen zu gefährlichen Angriffen hochstilisiert werden, dürfte eine Geheimnis der Verantwortlichen bleiben. Tierfreunde und Hardcore-Zoologen sollten deshalb einen großen Bogen um diese „Dokumentation“ machen oder sich die Dokumentation wenig später auf DVD/Blu-ray besorgen. Auch, um die enervierende Tonspur aus- und parallel die einfühlsame Filmmusik von George Fenton dazu ein-zuschalten.

„Bären“ ist damit am weitesten weg von einer ernstzunehmenden Tier- und Landschaftsdokumentation wie zum Beispiel „Unsere Erde“, „Unser Ozeane“ und Co. und demnach nur „bedingt emmpfehlenswert“.

 

 

 



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