BLOG

Mrz 2016
22
„Auferstanden“ von Kevin Reynolds

Pünktlich zu Ostern der passende Film zum Fest? Von Kevin Reynolds? Von dem promovierten Texaner, der uns Werke schenkte wie „Robin Hood – König der Diebe“ (1991) oder den spannenden „Monte Cristo“ (2002)? Genau. Super, dachte ich und freute mich am Montagnachmittag auf zwei mitreißende Filmstunden von einem Filmemacher, der sein Handwerk versteht. Und es ging vielversprechend los. Clavius (Joseph Fiennes) ist Tribun im Jerusalem des Jahres 33. Er ist kein Kommissar, muss aber einen Todesfall aufklären. Mit dem Schwert anstatt mit der Schusswaffe (sic, sorry, Tatort-Fan). Sonst aber bedient er sich altbekannter, kriminalistischer Methoden: Er befragt Zeugen, inspiziert Tatorte und untersucht Leichen.

So weit so spannend. Ein heikler Punkt in der Ermittlungsarbeit von Clavius ist, dass es sich bei der Leiche um Jesus Christus handelt. Und ein weiterer, dass die Leiche wenige Tage nach dem Todeszeitpunkt plötzlich verschwunden ist. An eine Auferstehung, wie vielerlorts kolpotiert wird, glaubt der Römer nicht. Aber es dauert nicht lang, bis der Leibhaftige dann doch vor ihm steht.

Und damit beginnt das Drama. Mit dem wenig charismatischen Cliff Curtis in der Rolle des Jesus und weiterer zahlreicher verrückter Einfälle von Kevin Reynolds wirkt sein „Auferstanden“ (im Original „Risen“) wie aus einer anderen Zeit gefallen. Hatte man sich bis hierher an den wenig talentierten Joseph Fiennes gewöhnt, fällt die Geschichte mit dem Auftreten der übrigen Protagonisten (u.a. Stephen Hagan als dauergrinsender Bartholomäus) wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Nachdem Clavius die Hinrichtung einer Gruppe hebräischer Gefangener überwachen soll, unter diesen der Aufrührer Yeshua, alias Jesus von Nazareth, erhält er von Pontius Pilatus (Peter Firth) den Befehl, auf eben jene Höhle aufzupassen, in der die Überreste des vermeintlichen Messias bestattet wurden. Zwei überforderte Soldaten, die Clavius mit der Nachtschicht betraut, betrinken sich, schlafen ein und am nächsten Tag ist das Grab leer. Oh Wunder!

Daraufhin rumohrt es in Palästina, und ausgerechnet jetzt steht der Besuch des Kaisers an. Wie beschrieben, bis hierhin nicht ohne Verve inszeniert, geht in der zweiten Hälfte jegliche Ambivalenz verloren. Die Auferstehung ist, wie sie in der Bibel nachgelesen werden kann, und das Sehen des wieder lebenden Gekreuzigten berührt einen Römer wie Clavius so tief, dass er niemals wieder so sein kann, wie er einmal war. Die Botschaft ist auch hier klar: Für niemanden ist es zu spät, jeder kann den Glauben finden.

„Bible Belt“ nennen die Amis solche Filme. Dafür gibt es einen großen Markt in den USA. Und auch „Risen“ hatte sehr schnell seine 20 Mio. Dollar Produktionskosten wieder eingespielt. Hierzulande dürfte jedoch diese Erweckungsgeschichte nur wenige Fans finden, denn die Mundpropanganda wird einen anderen Weg finden als zu Zeiten von Jesus Christus. Zahlreiche Einstellungen, die eher an ein Promovideo für einen Sektenbeitritt erinnern als an einen ernstzunehmenden Spiefilm, machen „Auferstanden“ zu einem Ärgernis. Und demnach gibt es für „Auferstanden“ nur ein Urteil: ganz schnell wieder schlafen legen.

 

 

Kritikerspiegel Auferstanden



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 





Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*