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Mai 2011
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Asif Kapadia: Senna (GB, F, USA 2010), gesehen am 08.05.2011 in Münster, Vorpremiere Cineplex

Wieder einmal zeigte das Cineplex in Münster, jüngst von einer Online-Seite und deren Filmfans zum Lieblingskino 2010 gekürt, einen Film vor dem offiziellen Filmstart. Das freut den Filmfan sehr. Die Dokumentation über den brasilianischen Formel-1-Rennfahrer Ayrton Senna wird ab dem 12. Mai in den deutschen Kinos laufen. Und nicht nur die Tatsache, dass der Film noch vor einigen Pressevorführungen gezeigt wurde, sondern auch die Tatsache, dass es sich bei der Titelfigur um einen Mann handelt, den ich einst „live in action“ an der Rennstrecke bewundern durfte, steigerte meine Vorfreude auf diese Dokumentation. Das brasilianische Ausnahmetalent war in seiner Zeit ein „Gigant“ im Rennwagen-Cockpit. Fast ein Jahrzehnt lang prägte er das Gesicht der Formel 1.

Die späten 80er und frühen 90er waren die Zeit des Umbruches im Formel-Rennsport. Von der elektronischen Anfahrhilfe, Bremsenergierückgewinnung oder elektronisch verstellbaren Heckflügeln war noch keine Rede. Es gab noch ehrliche Zweikämpfe, die nicht durch technische Vor- oder Nachteile bestimmt wurden. Kleinere Teams wie Lotus, Ligier, Tyrell, Benetton und Co. konnten (noch) mit den Millionenbudgets der großen Fahrzeughersteller (Ferrari, Williams Renault) konkurrieren. In dieser Zeit machte ein brasilianischer Rennfahrer auf sich aufmerksam, der in den Kart- und in den unteren Formel-Klassen alles gewann, was man gewinnen konnte. Ayrton Senna.

Chronologisch erzählt die Dokumentation von Asif Kapadia das Leben des Rennfahrers Senna bis zu seinem dramatischen, tödlichen Unfall im Jahre 1994 nach. Von außen betrachtet ist es also nicht mehr als eine konventionelle Aufsteigergeschichte eines Ausnahmetalentes. Zu den Produzenten dieser Dokumentation zählen jedoch Eric Fellner und Tim Bevan von Working Title sowie der Regisseur Kevin MacDonald. Und dieses „Spezialisten-Team für die großen Gefühle“ (Auszug aus ihrem Schaffen: „Notthing Hill“, „Bridget Jones“, „Tatsächlich Liebe“) setzt zahlreiche Mittel mit ein, um auch für Sport- oder Formel-1-Hasser ein mitfühlendes Kinoerlebnis zu schaffen. Ereignisse wie Siege oder Niederlagen werden durch Zeitlupe oder Standbilder hervorgehoben, und die pathetischen Klänge von Antonio Pinto lenken die Emotionen des Zuschauers in die passende Richtung. Zudem werden Erinnerungen von Familienmitgliedern und Zeitzeugen (Formel-1-Arzt Sid Watkins, Kommentator Reginaldo Leme), die dem Mythos von Senna als einsamen Wolf und Perfektionisten ordentlich Nahrung geben, immer wieder aus dem Off eingestreut. Und zugegeben, das funktioniert alles richtig gut und auf sehr hohem Niveau. Damit gehört auch diese beeindruckende Doku sicherlich in die Reihe der beeindruckenden Filme über den Sport, wie beispielsweise John Frankenheimers „Grand Prix“ (1966) oder Lee Katzins „Le Mans“ (1971).



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