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Dez 2012
03
„Anleitung zum Unglücklichsein“ von Sherry Hormann

Mit dem ersten Satz im Film nimmt das Drama seinen Lauf. Und das ist wörtlich zu nehmen. „Freuen Sie sich nicht zu früh, denn dies ist keine Komödie!“ erklingt zunächst eine sonore Männerstimme (Michael Gwisdek) aus dem Off. Weil Science-Fiction-, Action-, Abenteuer- und Fantasy-Film augenscheinlich ausfallen, sollen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer also auf ein Drama einstellen, sehr frei basierend auf dem Bestseller des österreichischen Psychoanalytikers Paul Watzlawick, der mit seinem gleichnamigen Ratgeber bereits in den 80ern zu erklären versuchte, warum das in den meisten Fällen nicht hinhaut mit dem Glücklichsein. Kein Problem. So lernen wir die Welt von Tiffany Blechschmid kennen. Tiffany ist etwa Ende 20, gutaussehend, Single und betreibt erfolgreich mit zwei Angestellten einen kleinen Feinkost-Imbiss in Berlin. Was sich für viele wie ein Mädchentraum anhört ist für Tiffany eine tägliche Tortur: Der Wecker klingelt bereits um 3:30 Uhr, die Ampeln sind natürlich immer auf Rot (eine Art „Running-Gag“ der oft strapaziert wird), dann der Stress, die vielen Blicke, die täglichen Sprüche, .. nein Tiffany ist kein glücklicher Mensch. Und dazu kommen noch etliche Neurosen, ein Mutterkomplex und zahlreiche Probleme in Liebesdingen.

Ein Leben wie ein Film? Außen hui, innen pfui also? Was dem Zuschauer in der ersten halben Stunde nicht gelingen will – in diesem Sommer in Berlin in das Herz der gebeutelten Heldin einzudringen – sollen, so Andrea Willson und Sherry Hormann, binnen kurzer Zeit drei Männer schaffen: ein ehemaliger Klavierlehrer (Richy Müller), ein Polizist (Benjamin Sadler mit Kiez-Akzent) und ein Fotograph (Itay Tiran). Ob denn wenigstens einer von ihnen der Richtige ist? Nicht nur der Zuschauer, auch Tiffanys Vermieter und väterlicher Freund Paul (Michael Gwisdek) hat da so seine Zweifel. Aber er hatte ja zu Beginn des Films gewarnt. Die Warnung über den Ausgang der Geschichte hätte Herr Gwisdek – übrigens der einzige Darsteller, der über weit mehr verfügt als über das Talent, seinen Text aufzusagen – jedoch noch ausweiten sollen. Zum Beispiel auf die Warnung nach den kaum vorhandenen schauspielerischen Entfaltungsmöglichkeiten oder einer miserablen Figurenzeichnung: Darunter ein David Kross, der sich mit stets vorhandenem riesigem Angebot zum Fremdschämen als Klischee-Autist abmüht, ein Benjamin Sadler, der zu einer Knallchargen-Lachnummer als machohafter Polizist verheizt wird und die Hauptfigur, Frau Wokalek, die den Eindruck erweckt, ausschließlich aufgrund ihres hübschen Äußeren und der Bereitschaft, in einigen Szenen die Hüllen fallen zu lassen, gecastet worden zu sein.

Nein, seeehr nah an Jeunets „Die fabelhafte Welt der Amelie“ hat Regisseurin Sherry Hormann mit ihrer freien Interpretation des erfolgreichen Ratgebers alle Fehler gemacht, die einer erfahrenen Regisseurin mit nunmehr fast 20 Filmen („Wüstenblume“, „Frauen sind was Wunderbares“) nicht passieren dürfen, inkl. Dialoge zum Fremdschämen, einem wenig glaubhaften Mutterkomplex – inszeniert als Lachnummer, überflüssigen Rückblenden in die Kindheit, Running-Gags zum Kopfschütteln und einer Hauptfigur, die einen von Beginn an bis zum Ende schlichtweg kalt lässt. Schnell vergessen!

  

 



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