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Mrz 2006
05
Ang Lee: Brokeback Mountain (USA 2005) (gesehen am 05.03.2006, Preview in Münster, Christian)

Es ist der Abend vor der Oscar(R)-Verleihung. Und ein ganz heißer Favorit ist: Ang Lees Brokeback Mountain. Wie schön, dass es den vieldiskutierten Film für augewählte Gäste in einer Preview zu sehen gibt. Ich bin so gespannt wie schon vor lange keinem Kinobesuch mehr. Vorhang auf, Film ab! 134 Minuten später Schlussszene. Der Zuschauer blickt ein letztes Mal tief bewegt in das Gesicht des Hauptdarstellers, von Ennis del Mar, herausragend verkörpert durch Heath „Casanova“ Ledger. Was seinem Gesichtsausdruck abzulesen ist, soll hier nicht verraten werden.

Die Geschichte dürfte in groben Zügen bekannt sein. Es geht um zwei Cowboys in den 60ern. Sie sollen eine Schaf-Herde hüten. Aufgabe, Landschaft und vieles, vieles andere mehr führen dazu, dass sich die beiden einander schnell näher kommen. Behutsam begleitet Regisseur Ang Lee vor einer herausragenden Kulisse die Entstehung einer Beziehung zwischen zwei Männern. Doch hier entwickelt sich, was nicht sein darf. Nicht in diesem Land, nicht zu dieser Zeit.

Ang Lee unternimmt das einzig richtige: Er bietet seinen Haupt- und Nebendarstellern so viel Raum, dass selbst den unsensibelsten Kinobesuchern klar sein müsste, dass diese Liebe nur wenig Chancen hat. Doch die beiden Liebenden versuchen es dennoch. Eine Liebe, die man den beiden Figuren abnimmt, auch Dank der hervorragenden schaupielerischen Fähigkeiten der beiden Personen, die Ennis und Jack verkörpern – Heath Ledger und Jake Gyllenhaal. Der Film ist darüber hinaus bis in die kleinste Nebenrolle herausragend besetzt. Selbst Michelle „Dawsons Creek“ Williams kann auf der ganzen Linie überzeugen. Jake Gyllenhaals jugendlicher Esprit wird immer wieder durch die stoische Ruhe von Heath Ledger ausgebremst, der mit seinem Spiel dem Film seine dichte Atmosphäre aufdrückt. Und wo ist die Kritik? Dem urbanen Kinogänger wird der Film nicht so tief unter die Haut gehen, wie vielfach zu lesen ist. Hier geht es um ein gesellschaftliches Problem aus den frühen 60ern im amerikanischen Hinterland. Ein „Hineinfühlen“ in die Zeit bleibt auch trotz sehr überzeugender Charakterdarstellungen, ich nenne es mal vorsichtig, schwierig. Zudem ist der Film an einigen Stellen zu prätentiös ausgefallen. Er feiert sich an einigen Stellen selbst. Doch das sind nur marginale Empfindungen und Eindrücke direkt nach einem Filmbesuch von einem ansonsten herausragenden Stück Filmgeschichte, dem man sich keinesfalls entziehen sollte.



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