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Titanic


Andreas Berding  

Für James Cameron war Titanic so etwas wie das Lebenswerk. Sein Ritterschlag als Regisseur. Er trieb die Schauspieler zu Höchstleistungen und achtete mit peinlicher Genauigkeit auf die Perfektion bei der Umsetzung des Films. Der Untergang des größten und teuersten Passagierschiffes der Welt sollte so authentisch wie möglich über die Leinwand flimmern. Dieses Vorhaben sprengte folglich auch das anvisierte Budget von 200 Millionen Dollar über alle Maßen und machte Titanic zum teuersten Film aller Zeiten, dessen Kosten 20 Century Fox dazu zwangen Paramout Pictures mit ins Boot zu holen. Doch Cameron machte weiter, verzichtete sogar auf seine eigene Gage und produzierte ein monumentales Werk, welches alle bis dahin bestehenden Filmrekorde brach. Dabei ist das Strickmuster denkbar simpel. Eine klischeehafte Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines großen und tragischen historischen Ereignisses. Titanic stellt diese Verbindung meisterhaft her. Dabei besticht der Film besonders durch seine historische Treue bis ins kleinste Detail. So wurde der Auslauf der Titanic aus dem Hafen von Southhampton spiegelverkehrt gedreht, als man feststellte, dass das nur 10% kleinere Modell in die falsche Richtung zeigte. Aber auch die Figuren halten sich im Hintergrund und mischen sich nicht in den historischen Zusammenhang ein, so dass eine hypothetische Geschichte entsteht, wie sie durchaus vorstellbar gewesen ist. Da mag es verzeihbar sein, dass Titanic dennoch zu den Filmen mit den meisten Filmfehlern gehört. Für die beiden vorher dem breiten Kinopublikum doch recht unbekannten Jungmimen Leonardo diCaprio und Kate Winslet, die noch nicht einmal die Wunschbesetzung von Cameron gewesen waren, bedeutete der Film den absoluten Durchbruch. DiCaprio passt hervorragend in die Rolle des mittellosen aber lebensfrohen Jack Dawson. Das trifft aber nicht ganz auf Kate Winslet zu, der man die 17 Jahre nicht ganz abnehmen will, die sie als Rose deWitt Bukater vorgibt zu sein. Dass ein solcher Film kein Happy End haben kann, damit ist von Anfang an zu rechnen. Nicht aber damit, dass arg konstruiert immer noch irgendwo eine Gittertür auftaucht oder sonst etwas anderes passiert, was die beiden daran hindert, sich in Sicherheit zu bringen. Dennoch ist auch der Untergang des Schiffes, der fast die komplette zweite Hälfte des Films füllt insgesamt nachvollziehbar dargestellt. Der Schluss wird bis zur Breite ausgewalzt und mit der herausragenden orchestralen Musik von James Horner untermalt, dass selbst Hartgesottene die Tränen unterdrücken müssen. Unter diesen Gesichtspunkten bewegt sich der Film zwar die ganze Laufzeit am Rande des Kitsches, widersteht jedoch der Gefahr dorthin abzugleiten. Titanic ist ein monumentales Epos, welches man allein aufgrund des öffentlichen Interesses einmal gesehen haben sollte. Aber auch darüber hinaus ist der Film in jedem Falle sehenswert. Andreas Berding

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