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Das Bourne Ultimatum


Bourne out

Patrick Wildermann  

Die ersten beiden Teilen dieser nun zur Trilogie angewachsenen Jason-Bourne-Saga waren immens erfolgreich, aber was viel bemerkenswerter ist: Man hat kaum noch ein Bild daraus vor Augen, geschweige denn wüsste man, was genau passierte. Wir haben im Bekanntenkreis nachgeforscht, es geht allen ähnlich.

Matt Damon sucht sich selbst an unterschiedlichen Ecken der Welt, okay. Mehr ist nicht hängen geblieben von den Filmen, die ja selbst von der großen Amnesie, dem totalen Identitätsverlust erzählen und in denen Damon als gesichtslosester Serien-Held der jüngeren Vergangenheit reüssiert. Die Korrespondenz von Inhalt und Wirkung ist allerdings kaum feiernswert, es soll ja schließlich auch nicht langweilig werden, wenn ein Regisseur den Ennui bebildert.

Paul Greengrass, der bereits "Die Bourne Verschwörung" gedreht hat (der erste Teil, "Die Bourne Identität", stammt von Doug Liman) übertreibt indes auch die formalen Entsprechungen. Die biografische Haltlosigkeit, die rastlose Getriebenheit seines Geheimagenten ohne Geschichte findet ihren Ausdruck in gefühlten 25 Schauplatzwechseln während der ersten Filmminuten, in einer Kamera, die wie vom wilden Affen gebissen durch die Szenen reißt und schwenkt, in einem Stakkato-Schnitt schließlich, der den Zuschauer wie mit Stromstößen traktiert.

Für einen Action-Thriller, der das Albtraum-Szenario eines Überwachungsstaats der tausend Augen beschwört – darin Tony Scotts "Staatsfeind Nr. 1" nicht unähnlich – sicherlich eine plausible Inszenierung. Enervierend wirkt sie trotzdem. Die dokumentarischen Qualitäten, die Greengrass in seinem 9/11-Drama "United 93" auszuspielen verstand, sind hier an allen Fronten gähnender Leere gewichen.

Matt Damons Bourne, der noch um seine ermordete Freundin Marie Kreutz trauert, was Franka Potente einen kurzen Rückblenden-Auftritt verschafft, sucht weiterhin nach seinen geistigen Vätern bei der CIA, die ihn als Killer geschaffen und dann ausgesetzt haben wie ein ungeliebtes Kind. Aber im Gegensatz zu De Niros "Good Shepard", der eine wirklich faszinierende Psychopathologie der Agency entwarf und in dem Damon ja ebenfalls mitwirkte, bleibt das sinistre Puppenspiel der grauen und mächtigen Chefetagen-Eminenzen hier blutleer.

Dass die Geheimdienste Dreck am Stecken haben, ist längst ein Mainstream-Topos. Er wird auch in den USA niemanden mehr verstören.

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