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Slumming


Wenn es Nacht wird in Wien

Patrick Wildermann  

Arm und Reich sind in der Regel nicht miteinander verwandt und sollten deshalb fein unter sich bleiben. Was passiert, wenn sie sich ihre Wege doch mal unversehens kreuzen, das malt der österreichische Regisseur Michael Glawogger ("Workingman´s Death") mit einer solchen Lust an der Niedertracht aus, dass es eine düstere Freude ist.

Kallmann, ein Penner und Rauschdichter, wird eines Nachts im seligen Alkoholdelirium von zwei Wiener Yuppies (August Diehl und Michael Ostrowski) aufgegriffen, in den Kofferraum ihres Wagens gepackt und nach Tschechien verfrachtet. Den beiden jung Schnöseln ist das "Erweckungserlebnis" ein preisgünstiges Freizeitvergnügen, ansonsten betreiben sie ihr titelgebendes "Slumming". Will heißen: Sie ergötzen sich an den Lokalitäten und Nachtgestalten ärmerer Viertel.

Für Kallmann indes gerät die Wanderung zurück nach Wien zu einem Existenz-Trip voll surrealer Auswüchse. Mit welcher rotzigen Wucht der große Paulus Manker diesen versoffenen Vorstadt-Hiob spielt, der in der Straßenbahn den Untergang predigt, das hat schon Bernhardsche Qualitäten. Aber auch Diehl blüht auf in Glawoggers bitterbösem Sozial-Märchen, das einen nie im Wohlgefühl moralischer Unterscheidbarkeit wiegt. Wie er am Ende das "Slumming" perfektioniert und fast erlöst durch die Ghettos Jakartas schlendert, prägt sich ein.

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