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Children of Men


Die Welt der Zukunft ein globales Ghetto

Patrick Wildermann  

In einer nicht allzu fernen Zukunft, die aussieht, als hätte jemand unserer Gegenwart eine schwarze Kapuze übergezogen, können die Frauen aus unbekannten Gründen keine Kinder mehr bekommen. Wir schreiben das Jahr 2027. Der jüngste Erdenmensch ist gerade im Alter von 18 gestorben, die Zivilisation versinkt über dem Demographie-Desaster in Anarchie und Bürgerkrieg, die Besitzlosen marodieren, die Privilegierten ergötzen sich an den letzten Picassos. In Großbritannien herrscht ein totalitäres Regime, das sich militärisch abschottet und illegale Flüchtlinge unter dem Banner der "Homeland Security" in Käfige sperrt – die Katastrophe schrumpft die Welt zum Global Ghetto.

Inmitten dieses hoffnungslosen Chaos geht der zynische Säufer Theo (gut wie lange nicht: Clive Owen) einer nichtigen Verwaltungsarbeit nach, aus der er jedoch unerwartet von seiner Exfrau Julian (Julianne Moore) gerissen wird. Julian, die einer Gruppe von Untergrund-Dissidenten angehört, benötigt Theos Hilfe bei einer heiklen Mission: Es gilt, die junge Schwarze Kee (Claire-Hope Ashitey) zu den sagenumwobenen Rettern des "Human Project" zu eskortieren, denn Kee ist im achten Monat schwanger. Ein Wunder, das der Apokalypse entgegenleuchtet.

Alfonso Cuarón, der zuvor so unterschiedliche Filme wie das Coming-of-Age-Drama "Y tu mamá también" und die Fantasy-Episode "Harry Potter und der Gefangene von Azkaban" gedreht hat, inszeniert hier eine nachtfinstere Dystopie, die von ihrem erkennbar heutigen, grundrealistischen Schrecken lebt – es ist keine "Blade Runner"-Sciencefiction, bloß die Fiktion einer Gesellschaft, die sich selbst kannibalisiert. In dieser Weltuntergangsvision blitzen die Folter-Bilder von Abu Graib ebenso auf wie die Guantanamo-Käfige. Überhaupt ist "Children of Men" auch eine Geschichte über jenen Kriegszustand, von dem der Westen stets nur einen Terroranschlag entfernt zu sein scheint. Zwar vernachlässigt die Regie über derlei beklemmende Szenarien manchmal die Plausibilität des Plots, doch allein der fulminant pathetische Moment, in dem Kees Baby für einen kurzen Moment die Waffen verstummen lässt, brennt sich ins Gedächtnis.

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