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Snakes on a Plane


Schlangen auf dem Flugzeug

Christian Gertz  

Ist die Attraktion nun der Film oder ist es die Tatsache, dass der Film lange vor dem Kinostart eine Bekanntheit erreicht hat, von der wohl jeder Produzent träumt? Gleich vorweg: Der Film ist es nicht. Aber eine Kritik dazu fällt aus diesem Grund umso schwerer. Sie muss das webbasierte Phänomen vom eigentlichen Film unterscheiden.

Über das Internet-Phänomen, das das Werk begleitet und sogar vorangetrieben hat und mittlerweile nur noch das griffige Kürzel „SoaP“ trägt, ist bereits alles gesagt und geschrieben worden. (Wer noch nichts davon mitbekommen hat, kann dazu unsere Ausführungen im Blog lesen.)

Der Verleih freut sich also über die unbezahlbare Werbung, die Internetkünstler freuen sich über die beispiellose Berücksichtigung ihrer Ergüsse und die Kinos auf lauter angestachelte Zuschauer. Hat man den Film schließlich vor Augen, musste man von einem dramaturgischen Schnellschuss ausgehen, der B- und C-Filmlegenden wie Roger Corman und Samuel Z. Arkoff zur Ehre gereicht hätte - auch wenn sie nie im Leben so viel Geld in Schauspieler oder kunstvoll animierte Schlangen investiert hätten. Hauptdarsteller Samuel L. Jackson beispielsweise soll ohne ein fertiges Drehbuch für den Film unterschrieben haben, weil er angeblich bei der Nennung des Titels einen Lachkrampf bekommen hat. Verfolgt man die Ergüsse der Yellow-Press, hält dieser scheinbar bis zum heutigen Tage an. Jackson lässt keinen öffentlichen Auftritt aus, ohne Werbung für „seinen“ Film gemacht zu haben.

David R. Ellis hat leichtes Spiel. Genau wie in seinem Vorgänger „Final Call“ kommt der Regisseur schnell zur Sache. Keine 15 Minuten vergehen, bis sich die ersten wirklich fiesen Viecher aus den Kisten schlängeln. Die Altersfreigabe ab 16 ermöglicht zahlreiche eklige Auftritte der Titelhelden, und bei ihrem drastischen Zubeißen wird von der Penetration bis zur Kastration jede sexuelle Symbolfunktion der Schlange explizit durchdekliniert. Klar, dass nach dem Hype aus dem Internet aus dem einst PG-13-familienkompatiblen Thriller ein mit einem R-Rating versehener Schocker werden musste, der Punkt für Punkt die an ihn adressierten Forderungen abhakt.

Es ist vornehmste Eigenschaft des Katastrophenfilms, dass zur Rettung erst die Rassen- und Klassengrenzen fallen. Dieses "United we stand"-Mantra hat das Genre schon immer transportiert. Kaum fallen die von den Hobby-Drehbuchautoren aus dem Internet ausgedachten eindringlichen Worte von Samuel L. Jackson - "I`ve had it with these motherfucking snakes on this motherfucking plane" - schon verwandelt sich die zuvor durch Dünkel und Vorurteile geteilte Besatzung in eine solidarische Schicksalsgemeinschaft.

Um den Film von jedweder Ernsthaftigkeit zu befreien, wurden die Schlangen-Opfer – lebenden Personen der Yellow-Press nicht unähnlich - bis zur Unkenntlichkeit überzeichnet. So findet in der Maschine ein blonder Paris Hilton Verschnitt ebenso ihren Platz, wie der überhebliche Star-Rapper, der taffe Einzelkämpfer und das verliebte Pärchen mit der überaktiven Libido.

Leider reichen diese Zutaten am Ende nicht aus, um aus dem Film den ultimativen Party-Kracher zu machen, der sich in einer Liga mit Filmen von Ed Wood oder Jim Sharman tummeln könnte, doch Spaß bereitet auch dieser Film reichlich. Menschen mit Ophidiophobie (Angst vor Schlangen) allerdings sollten den Film meiden. Alle anderen dürfen sich auf ein geschickt überzeichnetes B-Movie freuen.

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