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Volver - Zurückkehren


Frauenpower

Gian-Philip Andreas  

Nachdem Pedro Almodóvar, Spaniens bekanntester (Kult-)Regisseur, zuletzt mit „Sprich mit ihr“ und „La Mala Educación“ zwei „Männerfilme“ (falls es so was gibt) gedreht hat, stehen in seinem neuen, wieder komödiantischer angelegten Film in seiner alten Tradition erneut die Frauen im Mittelpunkt. Und was für welche! Neben Penélope Cruz, die Almodóvar einst berühmt machte und sich allzu oft in seichter Hollywod-Ware tummelt („Sahara“) anstatt wie hier in europäischen Filmen zu glänzen, begeistern hier Lola Duenas („Das Meer in mir“), Blanca Portillo („Elsa & Fred“) sowie die Almodóvar-Stammschauspielerinnen Carmen Maura (die lange mit dem Regisseur zerstritten war und jetzt „zurückkehrte“) und Chus Lampreave („Sprich mit ihr“). Für ihr Spiel gewannen sie in Cannes gemeinsam den Darstellerinnenpreis – völlig zu Recht natürlich.

Im Zentrum der erstaunlich leicht erzählten, aber thematisch durchaus gewichtigen Ensemblekomödie stehen Frauen dreier Generationen. Da sind die Schwestern Raimunda (Cruz) und Sole (Duenas), die einst aus ihrem Dörfchen in der Provinz von La Mancha in die Großstadt gezogen sind. Vor Jahren starben ihre im Dorf zurückgebliebenen Eltern bei einem Feuer. Sole ist eine einsame graue Maus und betreibt schwarz einen Friseursalon in ihrer Wohnung, Raimunda ist bildhübsch, verschwendet sich aber an einen arbeitslosen Säufer, der ihre halbwüchsige Tochter (Yohana Cobo) mit gierigen Augen begafft. Als er sich im Suff an der Tochter vergehen will, ersticht das Mädchen ihn in Notwehr.

„Volver“ zitiert Almodóvars frühe Grotesken, wenn Raimunda nun versucht, erst alleine, später mit Freundinnen, die Leiche im Gefrierschrank zu verstaunen und dann zu entsorgen. Kompliziert wird es, als nach der Beerdigung der schrägen Tante (Lampreave) die tot geglaubte Mutter (Maura) von Sole und Raimunda bei Sole auftaucht. Ein Geist? Oder nicht? Aber wer liegt dann an Mutters Stelle im Grab? Es ist ungemein witzig, wie Sole zunächst versucht, den Mutter-Geist vor ihren Verwandten zu verstecken und sie im Angesicht ihrer Kundinnen als „russische Aushilfe“ auszugeben. Des Rätsels Lösung rückt dann über die leicht geheimnisvolle Dorfnachbarin Agustina (Portillo) näher, die, als sie an Krebs erkrankt, die Wahrheit über ihre vor vielen Jahren spurlos verschwundene Hippie-Mutter herausfinden möchte und dabei beinahe zur Verräterin im Kommerz-Fernsehen avanciert. Am Ende, stellt man fest, hat man viel gelernt über den Umgang mit dem Tod, mit Versöhnung, Großreinemachen und der Wichtigkeit, ab und zu mal „zurückzukehren“ (= „volver“) nach Hause oder, wenn man so will, zu den wichtigen Dingen im Leben.

Obwohl Almodóvar hier vom Drama zur Komödie zurückschwenkt, ist doch eine klare Entwicklung erkennbar: Seine Figurenkonstellationen werden psychologisch immer ausgefeilter, während sein warmherziger Witz konstant als Stimmungsaufheller funktioniert. Die farcenhaften Elemente aus seinen früheren Werken hingegen fehlen größtenteils, was aber in diesem Fall absolut kein Verlust ist. Denn diesen verschworenen, streitenden und vergebenden Superfrauen zuzusehen, ist schon für sich Vergnügen genug.

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