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Wolf Creek


Durchschnittlicher Aussie-Thriller-Export

Gian-Philip Andreas  

Die Horror-Saison hat weiterhin Hochkonjunktur. Kaum eine Woche vergeht ohne neue Gruselkost. Mit „Wolf Creek“ findet nun ein bereits zwei Jahre alter Schocker aus Australien seinen Weg in die deutschen Kinos, der sich als Mixtur aus Reality-Soap in „Blair Witch“-Optik und hartem, nihilistischem Splatter entpuppt.

Die Story könnte dabei ausgelutschter kaum sein. Zwei britische Anhalterinnen, gespielt von der Newcomerin Cassandra Magrath und der durch Auftritte in Werken wie „Der Fluch von Darkness Falls“ einschlägig vorbelasteten Kestie Morassi, trampen sich durch Australien und haben an der Westküste soeben einen smarten Macho aus Sydney (naja: Nathan Phillips) kennen gelernt, mit dem sie in einem frisch gekauften, aber leicht schrottreifen Auto quer durch den Outback reisen wollen. Auf dem Weg in den Nordosten wollen sie die sensationelle Sehenswürdigkeit des „Wolf Creek“ ansehen, einen riesigen prähistorischen Krater mitten in der Wüste, einst verursacht von einem Meteoriten und seitdem Zentrum eines gruseligen Mythengeflechts. Selbstverständlich verreckt das Auto nach dem Besuch an diesem unheilschwangeren Ort, und selbstverständlich entpuppt sich der freundlich-verschrobenen Hinterwäldler Mick (bester Mime im Film: John Jarratt) alsbald als durchgeknallter Psychopath. Durch ein Versprechen auf nächtliche Autoreparatur schleppt er das jugendliche Trio meilenweit in die Wüste in ein verlassenes Bergbau-Camp, wo er den Pannenopfern Schlafmittel ins Essen mischt. Kurz darauf beginnt der Horror: Mick hat Kristy in seiner Gewalt, will sie vergewaltigen, Liz kann sich aus Fesseln befreien und Kristy retten. Man flüchtet ins Nirgendwo, doch Mick kennt sich besser aus in der Gegend. Es wird extrem blutig. Und Ben? Der ist auch noch irgendwo.

Das Problem an „Wolf Creek“ ist, dass die erste Hälfte ziemlich gut ist, der Rest aber sehr abstoßend. Die Urlaubsvideo-Atmosphäre, die Regisseur Greg McLean zunächst geschickt aufbaut, mit Handkamera, griesigen Bildern und Reisefilm-Dramaturgie, macht nämlich neugierig: Wird die beginnende Liebschaft zwischen Liz und Ben die Dreiergemeinschaft belasten? Was hat es mit den unheimlichen Geschichten vom „Wolf Creek“-Krater auf sich? Und ist der seltsame Mick vielleicht doch doppelbödiger als man meinte? Wenn das Gemetzel beginnt, ist all das sofort völlig unwichtig. Man hat das Gefühl, McLean hätte sich nicht mehr für das interessiert, was er am Anfang erzählt. Liebeleien, Krater, subtile Psychologie: alles wurscht. Es wird gemordet, das aber immerhin in dekorativen Nachtschattenbildern aus dem australischen Nirgendwo.

Ein Film für beinharte Horrorfans also, denn Erkenntnisse jenseits des Grauens sind hier nicht zu gewinnen. Natürlich ist „Wolf Creek“ besser als Schund wie „Hostel“, in dem ja zu wesentlichen Teilen peinlich dummes Zeug geschwätzt wird, aber eben längst nicht so wirkungsvoll wie „The Hills have Eyes“ (der immerhin so tut, als habe er eine gesellschaftskritische Aussage zu tätigen) oder „The Descent“ (der im Splatter-Genre seinesgleichen sucht, weil er kunstvoll vorführt, wie man Spannung aufbaut und auch hält). In der Horrorfilmschwemme unserer Tage hält diese australische Independent-Produktion also einen Mittelplatz.

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