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V wie Vendetta


Der Mann mit der eisernen Maske

Patrick Wildermann  

Etwas ist faul im Staate England. In nicht allzu ferner Zukunft sind unter der faschistischen Regentschaft eines Orwellschen Big Brother, Großkanzler Sutler genannt, die bürgerlichen Freiheitsrechte abgeschafft, Angst und Schrecken knechten die überwachte Bevölkerung. Seit, angeblich vor langer Zeit, arabische Terroristen einen verheerenden Anschlag mit biologischen Waffen auf das Vereinigte Königreich verübt haben, scheinen die Menschen bereit, sich dem Diktat der inneren Sicherheit zu unterwerfen. Bis auf den Mann, der sich selbst nur "V" nennt und in der Maske des berühmten Guy Fawkes auftritt, jenes legendären Untergrundkämpfers, der am 5. November 1605 das englische Parlament mit 36 Fässern Schießpulver in die Luft zu sprengen beabsichtigte, allerdings erwischt und wie seine Mitverschwörer hingerichtet wurde.

"V" (Hugo Weaving) ist ein florettgewandter Dandy des Dissidententums, ein shakespearekundiger Gentleman-Kämpfer in der Erbfolge des Grafen von Montechristo. Vor den Augen der jungen Evey Hammond (Natalie Portman), die er auf nächtlicher Mission vor den Finsterlingen des Sutler-Systems zu retten weiß, sprengt er das Londoner Gerichtsgebäude Old Bailey zu Tschaikowsky-Klängen in die Luft. Der Auftakt einer Revolution und einer Liebesgeschichte, was ja unbedingt Hand in Hand gehen sollte.

"V wie Vendetta" basiert auf den vorzüglichen Comics von Alan Moore, die der Regie-Debütant James McTeigue kongenial verfilmt. Der ehemalige Assistent der Wachowski-Brüder ("The Matrix"), die den Film geschrieben und produziert haben, besitzt ein erfrischendes Maß an Frechheit, platziert unübersehbare Seitenhiebe auf jene Politik der Angst, die zumal die Bush-Regierung betreibt.

Großartig und beklemmend ist jene Szene, in der sich Stephen Fry als Fernseh-Entertainer im Klima der Terror-Hysterie eine Satire über Kanzler Sutler (John Hurt) erlaubt, was er mit finalem Berufsverbot bezahlt.

"V wie Vendetta" schließt mit der zwar naiven, aber doch mitreißenden Utopie eines friedlichen Volksaufstandes unter dem Banner von Guy Fawkes sowie dem schönsten Explosionsfeuerwerk seit David Finchers "Fight Club". Am Ende dann lässt McTeigue die Rolling Stones "Street Fighting Man" schmettern, "Hey, think the time is right for a palace revolution", und man muss schon reichlich altersmilde gestimmt sein, um da nicht ein bisschen pubertäre Anarchofreude in sich zu spüren und den Wunsch, ein paar Mächtigen die Masken herunterzureißen.

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