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Jarhead


Wo bitte geht es hier an die Front?

Patrick Wildermann  

Man muss nicht ins Kino gehen, um zu lernen, dass Krieg eine schlimme Sache ist. Es gibt auch keinen Regisseur, der den Krieg allein deshalb inszeniert, um ihn bildmächtig zu bekämpfen. Sicher, einige hervorragende Filme lassen den Irrsinn des Krieges erschütternd aufgewittern, etwa Stones "Platoon" oder Kubricks "Full Metal Jacket", aber zu Antikriegsfilmen macht sie das noch lange nicht. Wer mit der Kamera in die Schlacht zieht, der will auch Blut sehen. Und wer dafür Eintritt zahlt, ist berechtigter Schaulustiger im Leinwand-Scharmützel. Die Enttäuschung eines Zuschauers in einem Kriegsfilm ohne Tote wäre mit der eines Soldaten vergleichbar, der den Einsatzbefehl erhält und dann keinen einzigen Schuss abgeben darf – ein Schicksal, wie es dem Gefreiten Anthony Swofford als Scharfschütze im ersten Golfkrieg zwischen den USA und dem Irak widerfuhr.

Der britische Regisseur Sam Mendes ("American Beauty") verfilmt dessen sarkastischen Erinnerungs-Bericht von der Operation "Desert Storm" nun als rückwärts gewandten Reisebericht aus einer sonnenversengten Wartesaal-Hölle. Während der Krieg aus der Luft geführt wird, sitzt das militärische Fußvolk in Habacht-Stellung und vertreibt sich die zähe Zeit mit Bildern aus aufregenderen Tagen: In einer der besten Szenen schauen Swofford und Konsorten im Feld-Kino "Apocalypse Now" und brechen während des Walkürenritts der Helikopter in Gejohle aus. Ein hübscher Kommentar zur Kriegsfilm-Rezeption. Überhaupt hat "Jarhead" – was ein Spitzname für die kahl geschorenen Marines ist – die stärksten Momente da, wo die Soldaten vor lauter Kampflosigkeit halb irre werden. Wie Swofford, den Jungstar Jake Gyllenhaal als Melancholiker mit Camus-Faible spielt, am Ende durch ein Nirwana der brennenden Ölquellen geistert und nicht fassen kann, dass der Krieg vorbei sein soll, ist grandios eindrucksvoll.

Leider jedoch kann auch Sam Mendes nicht durchweg damit leben, dass der Wüstensturm nie entfesselt wird. Immer wieder flüchtet er sich in lärmende Camp-Action und berauscht sich an Bildern verkohlter Leichen, an heroischen Gegenlicht-Silhouetten, kurzum, an einer Kriegs-Ästhetisierung ohne jene Selbstreflexion, die Swoffords Buch auszeichnet. Für einen Film, der ins Kino kommt, während der Irak sich täglich aufs Neue als Pulverfass erweist, ist das zu wenig.

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