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Das wandelnde Schloss


Innere und äußere Dämonen

Patrick Wildermann  

Sophie ist eine junge Hutmacherin. Sie hat das Geschäft von ihrem verstorbenen Vater übernommen und produziert schlichte, schöne Ware für wenig Geld. Eine mühselige Arbeit für das Mädchen, das sich selbst hässlich findet. Im heraufziehenden Industriezeitalter ist langwierige Handarbeit nicht mehr gefragt.

Eigentlich, so denkt man zu Beginn, sollte ihre Geschichte eine Aschenputtel-Ballade werden, eine Metamorphosen-Mär, die in den Armen des Traumprinzen mündet. So ähnlich geschieht das auch, aber dann doch ganz anders, als gedacht. Denn kaum hat Sophie in dem jugendlichen Zauberer Hauro, einem smarten Luftgänger, ihren heimlich Angebeteten gefunden, wird sie von der bösen Hexe aus dem Niemandsland, Hauros Widersacherin, in ein altes Hutzelweib verwandelt. Dennoch sucht Sophie die Nähe des Magiers, den selbst ein düsterer Fluch belastet. Und findet in ihrer entstellten Gestalt zunächst bloß eine Stelle als Putzfrau in dessen laufendem Schloss, einem stampfenden und ächzenden Wunderbauwerk auf vier mechanischen Beinen, das von dem kessen Flammendämon Calcifer befeuert wird.

Der japanische Regisseur Hayao Miyazaki hat bereits in "Prinzessin Mononoke" und erst recht in "Chihiros Reise ins Zauberland" bewiesen, dass er die fantasiesprühendsten, nostalgischsten und spannendsten Zeichentrickfilme der Gegenwart zu zaubern versteht. Seit die Disney-Animateure von der Computerkonkurrenz aus dem Gleichgewicht gebracht wurden und einem Pixar-Trend nachlaufen, darf er sich als unumstritter Herrscher im traditionellen Tuschereich betrachten. Die Geschichte, die er hier nach einem Kinderbuch der britischen Autorin Diana Wynne Jones erzählt, kommt dabei in ihrer düsteren Grundfärbung dem Stil Miyazakis perfekt entgegen. Er versteht sich auf die entrückten, traum- und albtraumhaften Welten. Der Mann ist nicht so dumm, Kinder durch Zuckersüße blenden zu wollen. Die schönsten Kinderfilme erzählen immer auch vom Verlust, seien es die Eltern, die abhanden kommen, sei es die Kindheit selbst.

Im europäisch anmutenden, ja durchaus realistisch angehauchten Fabelreich, das er hier entwirft, ist die Abwesenheit des Friedens augenfällig, des inneren wie des äußeren. Da tobt ein namenloser Krieg, der überall Verwüstung hinterlässt, da tragen die Figuren ihre Dämonen in sich und müssen sie, was gar nicht naiv wirkt, durch die Kraft der Liebe überwinden.

"Das wandelnde Schloss" birst schier vor Einfällen, stößt immer neue Fantasie-Türen in immer neue Städte und Landstriche auf. Eine führt direkt in Hauros Kindheit – und zu einem berührenden Ende.

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