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Hotel Ruanda


Der gute Mensch von Kigali

Patrick Wildermann  

Der Mann ist ein Held, kein Zweifel. Paul Rusesabagina, Manager des Vier-Sterne-Hotels Des Mille Collines in der ruandischen Hauptstadt Kigali, rettete 1994 über 1200 Menschen das Leben, als die Bevölkerungsmehrheit der Hutu nach einem lange geplanten Putsch daran ging, die ethnische Minderheit der Tutsi abzuschlachten. Nahezu eine Million Opfer forderte dieses Massaker, das sich binnen weniger Monate unter den Augen der so genannten Weltöffentlichkeit sowie der machtlosen UN-Friedenstruppen vollzog. Ein Menetekel an Grausamkeit, der erschütternste Genozid jüngster Geschichte und heute trotzdem fast vergessen. Inmitten des mit Macheten und Keulen entfesselten Wahnsinns bewährt sich der Hutu Rusesabagina als afrikanischer Oskar Schindler, als Gerechter zunächst wider Willen. Dank seiner in Friedenszeiten mit Whiskey und Zigarren gepflegten Kontakte zu den Militäroberen schafft es Paul, der mit einer Tutsi verheiratet ist und anfänglich nur die eigene Familie retten will, das von Flüchtlingen überrannte Luxushotel zur Trutzburg gegen das Morden auszubauen. Der nordirische Regisseur Terry George, Drehbuchautor des Gerechtigkeits-Dramas "Im Namen des Vaters", hat in Don Cheadle einen großartigen Paul Rusesabagina gefunden. Der Mann ist blind gegenüber den Vorzeichen der Katastrophe, und er glaubt wirklich, den Respekt der europäischen Hotelgäste zu genießen, die als erste und einzige von der UN ausgeflogen werden. George will anklagen mit dieser Geschichte eines Naiven, der über sich hinauswächst, er will dem lahmen Westen sein Versagen vorführen. Und findet dafür Bilder von eindringlicher Entsetzlichkeit – ohne indes das volle Grauen fassbar machen zu können. Das sollte man ihm nicht vorwerfen, das Kino musste auch vor Konzentrationslagern kapitulieren. Das verführerisch Bequeme an dieser wahren Heldengeschichte nach Hollywood-Dramaturgie aber ist, dass sie dazu einlädt, an die Kraft des Guten zu glauben, wo es keinen Anlass zur Hoffnung gibt. Der Westen hat nun mal kein natürliches und schon gar kein wirtschaftliches Interesse daran, den verarmten Kontinent, auf dem momentan ganze Generationen ohne Medikamente an Aids verrecken, aus der Unmündigkeit zu befreien. Ein von Nick Nolte gespielter Blauhelm-Abgesandter bringt hier in zynischer Selbstverachtung eine Wahrheit auf den Punkt, an der auch Terry Georges gut gemeinter Film nichts ändern wird: "Ihr seid schwarz. Ihr seid noch nicht mal Nigger. Ihr seid Afrikaner."

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