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Sophie Scholl - Die letzten Tage


Eine der wenigen Gerechten

Patrick Wildermann  

Es liegt ein Hauch von Studentenstreich über der Flugblattaktion der "Weißen Rose", was umso beklemmender wirkt, da man weiß, dass die Geschichte ein bitteres Ende nehmen wird. Sophie Scholl und ihr Bruder Hans verteilen heimlich in der Münchner Universität selbst gedruckte Pamphlete, die sich gegen das Nazi-Regime, gegen den Wahnsinn von Stalingrad richten. In einem Anflug von Übermut und Ausgelassenheit versetzt Sophie dem letzten Stapel auf der Balustrade des Gebäudes einen Stoß, wild segeln die Blätter durch den Lichthof. Nur Minuten später werden Sophie und Hans von der Gestapo verhaftet.

Schon Michael Verhoeven ("Die weiße Rose") und Percy Adlon ("Fünf letzte Tage") haben Filme über die legendäre Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl gedreht, deren Mitglieder ihre Courage mit dem Leben bezahlen mussten. Der deutsche Regisseur Marc Rothemund, der zuvor die belanglose Teeniekomödie "Harte Jungs", allerdings auch den preisgekrönten Fernsehfilm "Die Hoffnung stirbt zuletzt" gedreht hat, richtet nun den Fokus ganz auf Sophie Scholl, die von der Frau der Stunde, der jungen Schauspielerin Julia Jentsch, verkörpert wird. Rothemund konnte dabei auf Verhörprotokolle zurückgreifen, die bis zur Wende in den Stasi-Archiven eingelagert waren, und entwickelt aus diesem Quellen-Material ein elektrisierendes Kammerspiel zwischen Jentsch und Alexander Held, der den Gestapo-Mann Robert Mohr gibt.

Zweifelsohne gehören den beiden die stärksten Passagen dieses Jeanne-d'Arc-Dramas. Julia Jentsch findet über das anfängliche Leugnen in mädchenhafter Unsicherheit zu einem verzweifelten Trotz, aus dem schließlich todesverachtende Überzeugung erwächst. Wie Jentsch, zuletzt unter anderem in "Die fetten Jahre sind vorbei" zu sehen, ihrer gerade 21-jährigen Sophie Scholl unbeugsame Frühreife ins Gesicht zaubert, ist allein sehenswert. Alexander Held legt auf der anderen Seite des Schreibtisches seinen Mohr beinahe väterlich an, durchdrungen von nationalsozialistischer Härte zwar, doch in leisen Momenten erkennbar bewegt vom Willen seiner Gefangenen. Das Wortgefecht im Zwielicht des Verhörzimmers birgt jedenfalls eine emotionale Wucht, die lange nachbebt.

Zwar mag Rothemund nicht ganz auf jene großen Gesten verzichten, die der Stoff auch hergibt, inszeniert etwa mit Hollywood-Verve eine überorchestrierte letzte Umarmung zwischen Sophie und Hans, den der grandiose Theaterschauspieler Fabian Hinrichs als sensiblen und aufrechten Kopf der "Weißen Rose" spielt. Auch die Gerichtsverhandlung, in der ein tobsüchtiger André Hennicke als Henker das Todesurteil über die Geschwister Scholl spricht, hätte man sich dezenter gewünscht. Insgesamt aber ist Rothemunds authentisch grundiertes Scholl-Porträt ein bewegendes und wichtiges Zeugnis vom Widerstand einiger der wenigen Gerechten.

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