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Die fetten Jahre sind vorbei


Die jungen Rebellen

Christian Gertz  

„Am Ende manch eines Unterhaltungsfilms heißt es: Dont´t try this at home! Hier aber muss es heißen: Please try this at home!“ Mit dieser Aufforderung stellt der etwas abgekämpft und übermüded wirkende Regisseur Hans Weingartner an diesem Abend dem gespannten Publikum sein neues Werk vor. Er kommt gerade aus Brasilien, am nächsten Tag soll es weiter nach Island gehen. In über 43 Länder wurde der Film nach dem großem Erfolg in Cannes verkauft. Für Weingartner ein Riesenerfolg und ein Fluch zugleich. Auch das Kino in der mittelgroßen Studentenstadt ist ausverkauft. Es hat sich nicht nur hier herumgesprochen, dass es endlich wieder aufwärts geht mit dem deutschen Film. Und Weingartners Werk trägt einen sehr großen Anteil daran. Der Österreicher mit Sitz in Deutschland hat den Nerv der Zeit getroffen. Die großen Volksparteien in diesem Land behindern sich gegenseitig, von einem „Vorwärtskommen“ ist nichts zu spüren. Nur für die Freunde Jan und Peter geht es vorwärts, denn sie haben einen festen Glauben: den Glauben, auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt mit effektiven Methoden aufmerksam machen zu können. Die kleine Initialzündung einer politischen Revolte, angezündet durch „die Erziehungsberechtigten“.

Die Idee der Erziehungsberechtigten Jan und Peter entbehrt nicht eines gewissen Charmes gleich zu Beginn des Filmes. Die Freunde hören Schlager im Auto und Sekunden später ziehen sie sich die Masken über. Es ist leicht, sich mit den etwas unbeholfen agierenden aber stets mutigen Revoluzzern anzufreunden.

Doch dass die Bebilderung einer Freundschaft mit einer fundierten politischen Überzeugung allein nicht reicht, das hat man schon bei Walter Salles „Die Reisen des jungen Che“ gesehen. Weingartner macht nicht diesen Fehler und setzt auf schöne Bilder und eine sehenswerte Landschaft. Er hat sich für die Digitalkamera entscheiden und outet sich somit einmal mehr als Schauspielerregisseur. Weingartner ist seinen Protagonisten stets auf den Versen. Die sich entwickelnde Liebschaft zwischen Jan und Jule beispielsweise, wird so intensiv festgehalten, dass man die Gefühle auf der Leinwand fast entstehen sieht. Diese Nähe an seinen Darstellern hatte er schon in seinem Erstling „das weiße rauschen“ gezeigt. Hans Weingartner ist ein hervorragender Schauspierlerregisseur, der hier aber auch auf herausragende Darsteller setzen kann. Die Rollen sind glänzend besetzt. Daniel Brühl spielt Jan als verbissenen Idealisten, der viel Mut hat und vor der „Obrigkeit“ nicht zurückschreckt. Julia Jentsch ist eine Neuentdeckung, der mit Sicherheit die Zukunft gehört. Aber auch Stipe Erceg als Peter kann die Unberechenbarkeit der Figur nach außen hin verkörpern. Hans Weingartner vermag es ganz hervorragend, diesen tollen Darstellern den nötigen Freiraum zu lassen, sie aber zeitgleich so zu führen, dass dieses Potential in eine Stimmung oder eine Energie umgewandelt wird, die von der ersten Einstellung ansteckend ist. Der Film ist weder eine reine Komödie noch ein reines Drama, es ist ein reiner Aufruf an die Zuschauer, getragen durch hervorragende Darsteller: „Please watch this movie and try this at home!“

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