mehrfilm.de partner von sozene.comsozene

  

Der Untergang


Das Monster und der Mensch

Patrick Wildermann  

Wenn ein Mainstream-Produzent wie Bernd Eichinger ein Projekt über die letzten Tage im sogenannten Führerbunker verantwortet, das sich schon im Vorfeld zum tabubrechenden "Hitler-Film" verschlagworten lässt, ist Skepsis geboten. Wenn man dazu hört und liest, wie die Beteiligten im Zuge eines gigantischen Medienhypes ihren Recherchefuror und ihre Faktentreue hervorkehren, ganz so, als hätte vor ihnen noch niemand historische Quellen studiert, wächst das Unbehagen. Und wenn schließlich noch der Verdacht aufkommt, dieser Film vermenschliche allzu sehr den Massenmörder, die Unperson, den Dämon Hitler, dann kippt das Vorurteil endgültig ins Ressentiment.

"Der Untergang" aber ist ein faszinierendes, kraftvolles und wohlreflektiertes Werk, das indes von der eigenen PR-Maschinerie überrollt und von der selbstprovozierten Bedeutungsschwere erdrückt zu werden droht. Bernd Eichinger, der das Drehbuch verfasst und den Regisseur Oliver Hirschbiegel ("Das Experiment") offenkundig als Erfüllungsgehilfen engagiert hat, will sein Opus Magnum abliefern. Er will den Niedergang des Diktators und seiner Nazi-Elite so hautnah bebildern, wie er noch nie zu sehen war, auch nicht im Requiem "Der letzte Akt" von G.W. Pabst, das oft als Referenz genannt wird. Im wesentlichen stützt er sich dabei auf Joachim C. Fests Studie "Der Untergang" sowie auf das Erinnerungsbuch der Hitler-Sekretärin Traudl Junge, deren Originalzitate auch den Rahmen bilden. Aus der Perspektive dieser naiven Mitläuferin nähert sich Eichinger der Mörder-Mischpoke und ihrem Führer – um zu verstehen, wie er bekundet, wer diese Menschen waren. Was, immer wieder, bewegend gelingt.

Bruno Ganz verkörpert Adolf Hitler. Einen gebrochenen, cholerischen, an Parkinson erkrankten Mann, der im Bunker unter der Reichskanzlei, das Ende vor Augen, Phantasie-Armeen befehligt und sich von Volk und Vasallen verraten fühlt. Ein wenig chaplinesk wirkt Ganz anfänglich, doch mehr und mehr zieht seine irrlichternde Darbietung in den Bann – eben weil der Schweizer kein unnahbares Ungeheuer gibt, sondern nach eigener Auskunft sein Mitgefühl für diese armselige Figur entdeckt hat, die so charmant mit der Sekretärin Junge (Alexandra Maria Lara) zu plaudern versteht. Ganz richtet nicht, sondern lässt den gescheiterten Verführer aufblitzen, dem Millionen willig gefolgt sind.

Um ihn herum inszeniert Regisseur Oliver Hirschbiegel ein Katastrophen-Kammerspiel, das die Züge absurden Theaters trägt. Ein phänomenales Ensemble führt da einen Totentanz in blinder Gefolgsbereitschaft auf, darunter Corinna Harfouch und Ulrich Matthes als Ehepaar Goebbels, das in einer der stärksten, pathetischsten Szenen die eigenen Kinder opfert. Die grausige Zwangsläufigkeit des Nazi-Systems gewinnt da ihr Gesicht.

Sicher, man kann einiges gegen diesen Film wenden. "Der Untergang" eröffnet keine gänzlich ungekannten Perspektiven, der Anspruch historischer Exaktheit läuft ins Leere. Und manche Figur, etwa Heino Ferchs Albert Speer, erscheint arg lieblich. Aber Eichinger und Hirschbiegel werfen ein Schlaglicht auf die Götterdämmerung des "Dritten Reiches", das bei manchem tieferes Geschichtsinteresse wecken dürfte. Mehr sollte man kaum verlangen.

weiter


© 2001-2010 mehrfilm GbR | Impressum | Hilfe | Werbemittel | Zugang nur mit Passwort Intern | Zugang nur mit Passwort Autor | ++ ++ ++ ++ ++ = höchste Note | Mediadaten 2010

Partner:   Listinus Toplisten OFDB Startseite Hitflip Cinekorea Ich lad Musik. Bei Musicload.de Jetzt fuer mehrfilm voten! Bei MovieNation.de Das Portal rund um Blu-ray

einfach mal reinklicken!