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Please Give


Vom Geben und Nehmen

Carsten Happe  

Please Give – diese Aufforderung beschreibt zunächst einmal drei Zielrichtungen. Ein Obdachloser weckt die Gewissensbisse der gut situierten Kate, die sich schließlich mit einem 20-Dollar-Schein reinwäscht. Zur Empörung ihrer pubertierenden Tochter Abby, die sich im Augenblick nichts sehnlicher wünscht als ein Paar Designerjeans – Zielrichtung Nummer zwei – bei ihrer Mutter allerdings angesichts des Leids in der Welt und direkt vor ihren Augen auf taube Ohren stößt. Und schließlich Kates Mann Alex, mit dem sie darauf hinfiebert und wirkt, die betagte Nachbarin möge endlich den Löffel abgeben, damit deren Apartment die eigene Wohnung vergrößern kann.

Die kleineren und größeren Dramen einer New Yorker Upper-Class-Familie, Affären und Neurosen, dazu geschliffene Dialoge und warme, erdige Farben. Nicole Holofcener hat es sich auch mit ihrem neuen Film erneut in der von Woody Allen ausgekleideten Schublade gemütlich gemacht – in der auch geschätzte Kollegen wie Noah Baumbach ihr Eckchen hergerichtet haben – der Ton ist unaufgeregt, das Tempo gemächlich, die Beobachtungen genau. Es kommt zwar nie zum dramaturgischen Stillstand, wie etwa in Mike Leighs aktueller Fingerübung „Another Year“, doch die Betriebstemperatur von „Please Give“ liegt kaum höher.

Vielmehr geht es um Innerlichkeiten, um Standortbestimmungen irgendwo in der Mitte des Lebens, die die Hauptfigur Kate, einmal mehr superb gespielt von Catherine Keener, beschäftigen. Was will ich wirklich? Wohin geht meine Reise – und die meines Umfelds? Bei so existenziellen Fragen, die zumindest angerissen werden, ist es wenig verwunderlich, das Kate die Affäre ihres Mannes mit der hübschen Enkelin der greisen Nachbarin nicht bemerkt, dass sie keinen Zugang zu ihrer Tochter mehr findet.

Waren Nicole Holofceners letzte Filme „Friends with Money“ und „Lovely & Amazing“ noch vorwiegend geschwätzig und letztlich auch ein wenig langweilig, stimmt hier die Balance aus entspannter Alltäglichkeit und psychotischen Aussetzern. Dass die Regisseurin und Autorin ihre Figuren, zuvorderst ihr Alter Ego Kate, eben nicht mit Samthandschuhen anpackt, sondern Widersprüchlichkeiten und Irrationales zulässt sowie ihre Schwächen augenzwinkernd freilegt, steht „Please Give“ ausnehmend gut zu Gesicht. Woody Allen hatte schon schlechtere Tage.

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