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The Libertine


Fremde Wesen auf der Bühne

Christian Hoja  

Der Film startet mit einem Monolog Johnny Depps, der sich direkt an das Publikum wendet. Er prophezeit dem Zuschauer, dieser würde ihn nicht mögen, gar hassen. Und dies sei ihm völlig egal. Eine Szene, die zwei Dinge deutlich macht: Johnny Depp bleibt trotz des kommerziellen Erfolges der "Pirates of the Caribbean"-Trilogie seiner exzentrischen Rollenwahl absolut treu. Und mit "The Libertine" hat er sich ein Werk gesucht, dass seine Vorzüge nicht freiwillig offenlegt. Die Optik des Films ist sehr gewöhnungsbedürftig, das Bild gelbstichig, in dunklen Szenen ist es grisselig und wirkt fast, als betrachte man den Film durch ein Schlüsselloch.

"The Libertine" basiert auf einem Bühnenstück und wirkt in Aufbau und Inszenierung beinahe selbst wie eines. Meist fängt die Kamera das Geschehen in sehr begrenzten Winkeln ein. So werden Story und Charaktere auch nicht von ausgefeilten optischen Spielereien oder visueller Versinnbildlichung angetrieben, sondern vielmehr von stetigem Dialog. Keine zehn Sekunden am Stück vergehen ohne ein gesprochenes Wort, der Film artikuliert, was er zu bieten hat. Und das ist, hat man sich erst daran gewöhnt und sich hineingeguckt (oder besser hineingehört) eine ganze Menge.

Was "The Libertine" vor allem offenbart sind die hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Ob Samantha Morton als Bühnendarstellerin, John Malkovich als König, Ex-Bond-Girl Rosamund Pike oder Jack Davenport und Tom Hollander (zwei Mitstreiter Depps aus "Pirates"), alle liefern glänzende Leistungen ab. Und alle werden doch überragt von einem Johnny Depp, der in der Rolle des lüsternen, zynischen und scharfsinnigen Grafen eine Glanzvorstellung gibt. Er poetisert das Vulgäre, das Arrogante des Charakters und stellt doch (besonders im Schlussmonolog) einen Mann dar, der sich seine wahren Bedürfnisse nicht erfüllen mag.

Besonders in der letzten halben Stunde, gezeichnet von Syphilis und Bitterkeit, bietet Depp eine der stäksten Leistungen seiner geamten Karriere. In Punkto Ausstattung, Kostüme und Maske wird ebenfalls einiges geboten, alles wirkt durchaus authentisch und zeitgenössisch. Nur marginal eingesetzt: die musikalische Untermalung. Uneingeschränkt empfehlenswert ist "The Libertine" aber nicht. Der Handlung mangelt es zeitweise an Fahrt, einiges wirkt schlicht trivial. Der Zuschauer sollte sich darauf einlassen und ob einen der Film dafür belohnt und einem in Stil und Erzählweise schlüssig erscheint oder gänzlich kalt lässt oder gar vergrault, das ist sicher der ganz subjektiven Wahrnehmung überlassen. Genügend Potenzial besitzt er für beide Richtungen.

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