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U-900


Atze Schröders Humor taucht ganz tief ab

Patrick Wildermann  

Irgendwann musste es ja so weit kommen, dass einer wie Atze Schröder seine Scherze über den Zweiten Weltkrieg macht. Der Umgang mit dem Erbe der Nazidiktatur wird halt seit Jahren immer laxer, da kann auch der schräge Comedy-Vogel aus dem Ruhrpott mit seiner Dauerwelle und der Zuhälter-Brille sein Quäntchen Unsinn beisteuern. Jedes Volk hat die Komiker, die es verdient. Kurz verblüfft es einen höchstens noch, dass Schröder in dieser U-Boot-Posse ein jüdischer Kumpel namens Samuel (Oliver Wnuk) zur Seite steht, dessen Gefährdung für ein paar Kalauer herhält.

Gedankenlosigkeit? Kalkulierte Provokation? Egal! Wenn "U-900" eines nicht wert ist, dann ist es Aufregung. Der Spaßbadeausflug, inszeniert von Sven Unterwaldt ("7 Zwerge"), dem Kinospezialisten für zu lang geratene Fernsehsketche, ist so ein Rohrkrepierer, dass wahrscheinlich in einer Woche keiner mehr davon spricht.

Die Kunstfigur Atze Schröder, deren Erfinder die Nennung seines bürgerlichen Namens regelmäßig gerichtlich zu verhindern sucht, taucht ab in den April des Jahres 1944. Schröder betreibt im zerbombten Essen-Kray fröhlich Schwarzmarkthandel, muss allerdings Fersengeld geben, als Nazi-General Strasser herausfindet, dass ihm der hemdsärmelige Prolet Hörner aufgesetzt hat.

Gemeinsam mit Freund Samuel sowie einer jungen Schauspielerin führt Schröders Flucht nach Toulouse und von dort aus im gekaperten U-Boot nach Amerika. Was der falsche Kapitän nicht ahnt – an Bord befindet sich der Heilige Gral.

Unterwaldt parodiert mit dieser Story also im wesentlichen Wolfgang Petersens "Das Boot" und die Indiana-Jones-Filme, was aber auch nicht weiter ins Gewicht fällt. Der Film gehört allein Schröder und seinen im schlechtesten Sinne zeitlosen Witzen. Mitnichten hat Atzes Geblödel irgendwas mit Ruhrpottherzlichkeit und sympathischer Kodder-Schnauze zu tun, es ist bloß das seelenlose Surrogat davon.

Dieser Humor entstammt einer männerbündischen Parallelwelt des Kneipendunstes und der großbusigen Blondinen, und das wiederum lässt tatsächlich oft an die Nazis denken. Dass einer wie Schröder Erfolg hat, dass einer wie Mario Barth ganze Fußballstadien füllt, liegt nicht zuletzt daran, dass die Nazis den intelligenten Humor jüdischer Prägung, wie er heute noch in den USA blüht, vernichtet und vertrieben haben.

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