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Tropic Thunder


Hollywood zieht in den Krieg

Patrick Wildermann  

Um den Oscar zu gewinnen, ist es nie verkehrt, einen Behinderten zu spielen, alte Hollywood-Regel. Nur allzu behindert darf die Figur eben nicht sein. Dustin Hoffman als autistischer "Rain Man" - konnte sagenhaft gut Zahnstocher zählen. Tom Hanks als "Forrest Gump" – hat Tischtennis-Turniere gewonnen. Sean Penn in "I am Sam" war geistig zurückgeblieben und – ging leer aus.

Robert Downey Jr. hält diese kleine Kunde für angehende Academy-Award-Kandidaten in Ben Stillers "Tropic Thunder", einer sprühenden, gezielt geschmacklosen Film-im-Film-Farce über eine Gruppe hochkarätiger Schauspieler, deren Dreh eines Vietnamkriegs-Dramas gewaltig aus dem Ruder läuft. Stiller selbst spielt Tugg Speedman, einen Actionstar auf dem absteigenden Ast, dessen Ausflug ins ernste Fach mit der Rolle des gehandicapten "Simple Jack" hier einen furiosen Running Gag liefert.

Die Proteste amerikanischer Behinderten-Verbände gegen die inflationäre Verwendung des Schmäh-Begriffs "retarded" (sprich: zurückgeblieben) in diesem Zusammenhang laufen dabei völlig ins Leere. Allzu offensichtlich veralbert Stiller hier nur die Gier nach Gold und die Eitelkeiten der Branche.

Wie überhaupt ständig über den Wahrhaftigkeitsanspruch hoch bezahlter Stars gespottet wird – gipfelnd in Downeys Figur des radikalen Method-Actors Kirk Lazarus (als Vorbild scheint Daniel Day-Lewis durch), der sich zur Vorbereitung auf seinen Part eines schwarzen GIs einer Pigmentbehandlung unterzogen hat und nur noch Ghetto-Slang spricht. "Tropic Thunder" parodiert schon in den ersten Minuten lustvoll die Pathos-Posen blutiger Kriegsdramen wie "Platoon". Das Hauptobjekt der Satire ist allerdings Coppolas "Apocalypse Now", respektive die Dokumentation "Hearts of Darkness" über die legendär desaströsen Dreharbeiten dieses Höllenfahrtskommandos.

Beim Komödianten Stiller verwandelt sich das in die Geschichte einer Zicken-Truppe, die von ihrem überforderten Regisseur im Dschungel ausgesetzt wird und nur noch mit versteckten Kameras gefilmt werden soll, wobei die Nerven schnell blank liegen – ich bin ein Star, holt mich hier raus! Für die derberen Auftritte sorgt dabei Jack Black in der Rolle des Krawallkomödianten Jeff "Fats" Potnoy, der mit Furz-Humor à la "Familie Klumps" berühmt geworden ist. Seine Pointen zünden allerdings oft nicht, und gegen Ende geht dem Film, von dessen Humor und Zitat-Furor in der deutschen Fassung ohnehin nur grob ein Drittel erhalten ist, leider die Puste aus.

Aber, wer hätte das gedacht – allein der irrlichternde Auftritt von Tom Cruise lohnt den Kinobesuch. Er ist als menschenverachtender, exzessiv fluchender Produzent mit Popeye-Armen und Halbglatze fast noch lustiger als R. Lee Ermeys Drill-Sergeant in "Full Metal Jacket".

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