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Elegy oder die Kunst zu lieben


Machos sind auch nur Menschen

Patrick Wildermann  

Ein alternder Literaturprofessor von luzider Bildung und scharfer Zunge, überdrüssig der vielen sexuellen Eroberungen seines Lebens, verliert sein Herz wider besseres Wissen an eine Studentin und durchleidet die Tragödie des lächerlichen Mannes – mehr muss man eigentlich nicht hören, um zu wissen, dass es sich dabei nur um einen Plot des großen amerikanischen Erotomanen Philip Roth handeln kann.

"The Dying Animal" heißt der Roman, in dem Roth seinen durch mehrere Bücher begleiteten Protagonisten David Kepesh auf die Via Dolorosa von Libido und Liebe schickt. Klischee, Männerfantasie – das wird Roth, nicht nur von Feministinnen, gern vorgeworfen. Und es heißt, Penélope Cruz soll für "Elegy" erst unterschrieben haben, als feststand, dass eine Frau, die spanische Regisseurin Isabel Coixet, die Geschichte des alten Biestes und der jungen Schönen adaptieren würde. Allerdings tritt die Frage, ob hier eine Macho-Perspektive zum Wohle des Films verweiblicht wurde, bald in den Hintergrund – ebenso, wie es Kinogänger nicht interessieren muss, was Coixet an der Vorlage hat.

"Elegy" ist vor allem ein großer Schauspielerfilm. Ben Kingsley gibt diesen David Kepesh als eitlen, selbstgewissen Pfau im botanischen Garten des Literaturbetriebs, zynisch, zerstritten mit dem eigenen Sohn. Umso eindrücklicher ist die pennälerhafte Eifersucht, die den vermeintlich Abgeklärten ergreift, als er sich in die kubanische Studentin Consuela verliebt. Bereit zur Selbstentblößung spioniert er ihr einmal gar bis in einen Tanzclub nach, und wie sich da die Blicke treffen, ist famos subtil inszeniert. Penélope Cruz denkt gar nicht daran, sich in die Rolle der exotischen Eroberung zu fügen, sondern spielt diese Frau als würdevoll impulsive, ohne Hintersinn Liebende. Dennis Hopper hat einen tollen Part als geerdeter bester Freund des Professors, Patricia Clarkson als Kepishs Gelegenheitsgeliebte, die gelernt hat, sich zu bescheiden.

"Elegy" strahlt dabei eine melancholische Kühle, aber nicht Kälte aus. Isabel Coixet, die schon in "Mein Leben ohne mich" und "Das geheime Leben der Worte" filmische Todesstudien betrieben hat, spürt auch hier, sehr formstreng, aber sehr berührend, dem Versuch nach, sich gegen die Vergänglichkeit zu stemmen – in diesem Fall mittels der Liebe, die ein Bild für die Ewigkeit abgeben will.

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