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Ben X


Zwischen Realität und virtueller Welt

Christian Gertz  

Ben X ist in erster Linie die Geschichte eines Autisten. Ben, herausragend verköpert durch den belgischen Theaterschauspieler Greg Timmermans, ist Autist, dennoch besucht er eine reguläre Schule. Er geht kaum Beziehungen ein und schließt sich am liebsten zuhause in seinem Zimmer ein. Damit zeigt Regisseur Nic Balthazar die andere Seite eines Autisten, ganz im Gegensatz zu den Klischees, die uns der Hollywood-Film "Rain Man" (1988) über Autisten weiß machen wollte. Ben kennt sich aber (wie damals Raymond Babbitt / Dustin Hoffman) ebenfalls sehr gut mit Zahlen aus. In der Schule hat er keine Probleme, dem Unterricht zu folgen, wohl aber damit, am Schulgeschehen teilzunehmen. Mit den meisten Umweltreizen ist Ben überfordert, genauso wie seine alleinerziehende Mutter, die nach etlichen Arztbesuchen mit Ben nicht mehr weiter weiß. Am liebsten flüchtet sich Ben in die Welt von "Archlord", einem Online-Rollenspiel. Tag und Nacht sitzt er vor dem Computer. Hier ist er ein tapferer Krieger, er erkennt die Gefahr, kann diese aus dem Weg räumen und verliebt sich gar in die Figur Scarlite, die ihn zu einem Treffen überreden will.

Nic Balthazar gelingt es ganz hervorragend, Realität und Rollenspiel auf der Leinwand zusammen zu führen. Immer wieder streut er Szenen aus dem Rollenspiel ein und vermischt Spiel und Kino so gekonnt, wie man es zuvor noch nie in einem Film über ein Online-Spiel gesehen hat. Mit dieser beeindruckenden Ästhetik verliert sich jedoch zeitweise die Problematik der Geschichte etwas aus dem Blickfeld. Ben ist ein Mobbingopfer. Zu sehr pendelt der Film zwischen Werbevideo für ein Online-Spiel und Außenseiter-Problematik. Diese schwierige Gratwanderung gelingt nicht immer. Dass dieser Film dennoch sehr sehenswert ist, liegt auch am beeindruckenden Spiel des Hauptdarstellers. Davon und von der großen Gefahr und Problematik ein Außenseiter zu sein, sollte sich nicht nur die immer größer werdende Gamer-Community überzeugen. Überraschen lassen kann sich jeder Besucher zudem vom überzeugenden Ende, so gelungen, wie man es in diesem Kino-Jahr 2008 wohl noch nie auf der Leinwand gesehen hat.

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