" Viele Leute sind zu einsam, um klar zu denken. " Gehört Naoko Ogigami zu diesen Vielen? Das Kino-Kuriosum im Berlinale Panorama der japanischen Regisseurin lässt diese Frage offen, wie die nach tieferem filmischen Sinn. Sicher ist, dass Sayoko eine der Vielen ist. Von der skurrilen Heldin der absurden Komödie stammt die zitierte Erkenntnis. Weil die nicht Selbsterkenntnis ist, dreht sich das Leben der jungen Unternehmerin genauso im Kreis wie der Plot.
Dessen Inhalt liefert Stoff für rund 25 Minuten, doch weil Ogigami ihn so toll findet, dass sie ihn gleich viermal erzählt, dauert ihr belehrende Fabel fast zwei Stunden. Der Filmtitel ist zugleich der von Sayokos ... Weiterlesen Aktuell im Kino
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B XVI. PREACHER zu Empire Me – Der Staat bin ich
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Manni zu Dame, König, As, Spion
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Redaktions-Monatscharts
1. Der Junge mit.. 7,5/10
2. Dame, König, As.. 7,5/10
3. Hugo Cabret 6/10
4. Yoko 6/10
5. Underworld 5,5/10
6. Moneyball 4,5/10
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" Eines weiß ich: Diesen Film zu machen war eine unglaubliche Hilfe ." Zoe Chantres Aussage zum Schluss des Regie-Kommentars ist beruhigend, denn er gibt die Gewissheit, dass ihr Berlinale-Beitrag wenigstens einer Person gut tat. Was die Regisseurin zum Schluss des Films sagt, weiß ich nicht, denn fünf Minuten vor Ende der nur 65 minütigen Laufzeit war meine Schmerzgrenze erreicht. Die der Autorin des medizinischen Selbstbildes ist gemessen daran, was sie dem Publikum zumutet, höher angesetzt. Seitdem bei ihr in der Kindheit Skoliose diagnostiziert wurde, gehört physisches Leiden zum Leben der Filmautorin.
„In dieser Krise zeichnete meine Hand, was sie zu sehen ...
"Wenn wir Schwulen und Lesben Rechte garantieren, fordern die irgendwann sogar Zigeuner und Albaner !", fürchtet Limu (Nikola Kojo). Dass der grobschlächtige Schläger Belgrads erste Schwulen-Parade vor extremistischen Gegnern schützen soll, gefällt ihm so wenig wie dem aus einem Kroaten, einem Kosovo-Albaner und einem bosnischen Muslim bestehende Trio alter Kampfgenossen, das der Waffennarr mit krimineller und soldatischer Vergangenheit rekrutiert. Doch Klischee und Klischee gesellt sich gern, lernt selbst der unfreiwillige Verteidiger der Menschenrechte, dessen Figur so flach und stereotyp ist wie die der homosexuellen Figuren Srdjan Dragojevics Brachial-Satire.
Hinter dem markigen ...
" Was können wir tun, dass mehr Leute nach Ramoos kommen? ", fragt der Lehrer die Klasse, für die es mit Seilbahn über Berggipfel zum Unterricht geht. „ Wir sollten Ramoos etwas berühmter machen. “, sagt eine der jungen Protagonisten filmischen Lektion in gottesfürchtiger Heimatkunde. " Wie Hollywood. Vielleicht nicht ganz so berühmt. " Zu bescheidenem Filmruhm hat es auch der berühmteste Einwohner der beschaulichen Berggemeinde gebracht, dessen Platz Alice Schmid ins Auge gefasst zu haben scheint.
Ihr Eröffnungsbeitrag zu Berlinale Generations ist mehr als eine Hommage an ihren Heimatort, es ist eine nie hinterfragende Idealisierung von Tradition und ...
" So ist das Leben, schätze ich. Ein bisschen paradox. ", sagt der Schauspieler und beschreibt unterschwellig das inszenatorische Konstrukt, das drei Räderwerke auf ihre Haltbarkeit prüft. Jedes von ihnen ist eine Beziehung, deren Konflikt um die Frage nach Liebe und ihre Beständigkeit kreist. Aus dem destruktiven Modus, in dem die wie vertrauten Charaktere gefangen sind, sollen drei Paartherapeuten sie befreien. Die Protagonisten sind Profis – die Psychologen sind es ebenfalls. Die typischen Konfliktsituation der Zweisitzungen werden von Schauspielern in Theaterkulisse dargestellt. Die Therapeuten, die sie beraten hingegen, sind echt, ihre Aufgabe, den ...
Was "Name der Rose"-Regisseur Jean-Jacques Annaud mit diesem Abenteuer-Epos versucht hat, ist ein Update von "Lawrence von Arabien": weite Wüstenpanoramen und glutäugige Helden plus Gründungsmythen der modernen arabischen Halbinsel. Allerdings – das wird schnell klar – kann er es mit David Leans ewigem Klassiker nicht aufnehmen: Zu verliebt in klischeehafte Exotismen ist der Film, zu sehr täuscht er Tiefe dort vor, wo es nur um die alten Mechanismen des Heldenfilms geht.
Zentral geht es um den brüchig werden Frieden zweier arabischer Herrscher in den dreißiger Jahren. Emir Nesib (Antonio Banderas, herzlicher als im letzten Almodóvar " Die Haut, in der... ") ist der modernere von beiden, ...
Als Jugendlicher mal Alkohol getrunken? Einen Joint geraucht? Und dann in völliger Enthemmung mit Chips geworfen? Ulkige Handyfotos mit sich und Freunden gemacht? Dem benebelten Typen mit Filzstift eine Kriegsbemalung verpasst? Auf dem Bett herum gesprungen oder, schlimmer noch, mit einer Party-Bekanntschaft hinein? Bei "Wahrheit oder Pflicht" ein anderes Mädchen geküsst? Vielleicht alles ein ein und derselben Nacht auf ein und derselben Party? Doch, total verrückt, wenn man es nie gemacht hat. Hat jeder? Kirsten Sheridan hat nicht, darum muss die Regisseurin das alles filmisch nachholen: im Berlinale Panorama.
Jeannie feiert mit vier Low-Life-Freunden eine Party in der ...
Ein wenig altersmilde sind sie schon geworden, die großen Regisseure des Weltkinos. Sei es Martin Scorsese, der mit "Hugo Cabret" seinen ersten Kinderfilm dreht, Woody Allen mit seinem touristisch-gefälligen " Midnight in Paris ", Aki Kaurismäki mit seiner wundersamen Warmherzigkeit in " Le Havre " oder Steven Spielberg mit seinem hemmungslosen Pathos in "War Horse", der in Deutschland "Gefährten" heißt. Auch die Dardennes, belgische Wahlverwandte des britischen Sozialrealismuskinos à la Ken Loach und Mike Leigh, haben die unbarmherzige Härte ihrer Meisterstücke "Der Sohn" (2002) und "Das Kind" (2005) ein wenig zurückgefahren und bieten in ihrem neuesten Werk "Der ...
Das Spionagewesen des Kalten Kriegs präsentiert sich in den Romanen von John Le Carré ganz anders als gewohnt: Nirgendwo ein Womanizer wie James Bond, der martinischlürfend zwischen Karibik und Schweizer Bergwelt herumjettet, und nirgendwo Jason Bourne, der die technologischen Möglichkeiten des Internet-Zeitalters nutzt. Stattdessen: schwerfällige Protagonisten, koordinierte Aktionen, Bürokratie. Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson, bekannt geworden durch seine großartig melancholische Vampir-Variation " So finster die Nacht ", hat Le Carrés berühmtes Buch "Tinker, Tailor, Soldier, Spy" nun geradezu kongenial neu verfilmt: als Kammerspiel großer ...
Genau besehen ist "Moneyball" ein Film über Statistiken: Das gleichnamige, dem Film zugrunde liegende Sachbuch von Michael Lewis beschreibt den Triumph statistisch basierter Transfermarktanalysen über das gängige Starsystem im amerikanischen Profi-Baseball. Wie ließ sich daraus bloß ein Hollywoodfilm basteln? Regisseur Bennett Miller (" Capote ") erzählt die Story mit seinen beiden Star-Drehbuchautoren Steven Zaillian (" Verblendung ") und Aaron Sorkin (" Social Network ") als personalisiertes Drama. In dessen Mittelpunkt steht Billy Beane, der Manager der Oakland Athletics, der sein verkrachtes Team 2002 völlig unerwartet zu Triumphen in der Major League führte.
Zuvor hatte Billy Beane sein ...
Basierend auf dem Roman der kanadischen Autorin Chrystine Brouillet hat Regisseur Jacob Tierney selbst das Drehbuch zu seinem kammerspielartigen Thriller geschrieben.
Während der Abstimmung der Provinz Quebec über die Unabhängigkeit von Kanada zieht der schlaksige Victor (Jay Baruchel) in ein ein Mietshaus in Montreal ein. Innerhalb des Wohnviertels geht bereits seit einiger Zeit ein Serienkiller um. Victor macht sich sehr schnell mit seinen Nachbarn bekannt, zu denen der im Rollstuhl sitzende Spencer (Scott Speedman) und die katzenverliebte Louise (Emily Hampshire) gehören, die eine etwas eigenartige Freundschaft pflegen. Mit leicht aufdringlicher Note lädt Victor die beiden zu einem gemeinsamen Abend ein. Zwischen den drei ...
Wer würde nicht gerne einfach mal raus? Ausbrechen. Raus aus dem Trott, aus der globalisierten Weltordnung. Schule, Uni/Ausbildung, Job, Steuern, Krankenversicherung. Oft unter Druck, immer im "System", meistens auf der Jagd nach dem nächsten Statussymbol? Es ist ein Kreislauf. Nicht nur in der so genannten "Ersten Welt". Muss ich das haben? Ich könnte doch auch ausbrechen aus diesem System? Alles hinter mich lassen. Autark leben. Vielleicht eine neue Identität annehmen? Lassen die immer engmaschigeren Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung dies überhaupt zu? Ein Phänomen macht damit Schluss: Das Gründen von Gegengesellschaften. Unter dem Motto ´ Mach dich nicht abhängig ´ lädt der ...
Ein Ausruf der Empörung: "Drive", einer der umjubeltsten Filme der Saison (u.a. Beste Regie, Cannes 2011), wurde nur für einen einzigen Oscar nominiert: für den Tonschnitt. Über die Oscars sagt das aus, dass bei der Acadamy of Motion Picture, Arts and Sciences, die die Goldstatuen vergibt, offensichtlich niemand mehr jenseits des Wohlgefälligen nach Preiswürdigem suchen mag. Was schade ist, denn einen unerbittlicheren und auch melancholischeren Krimi hat es im Kino schon lange nicht mehr gegeben. Uneinsichtig.
Das Los Angeles, durch das hier ein namenloser Stuntman wortkarg kurvt, wirkt zwischen muffigen Apartmenthäusern und trockengelegten Kanälen unangenehm stickig. Tagsüber arbeitet der "Driver" in der ...