EVENTS

Das 21. Internationale Filmfest Oldenburg – Tag 1

Filmfest_OL_2014_Donut Den Eröffnungsfilm " Von jetzt an kein Zurück " von Christian Frosch am Mittwochabend habe ich verpasst. Nicht ganz unfreiwillig. Eröffnungs-Brimborien mit Cast-Auftritten inklusive anschließender Party sind nicht so mein Ding. Zumindest nicht im Moment. Dafür begann das 21. Filmfest in Oldenburg, mein fünfter Besuch in Niedersachsen, für mich erst am Donnerstag. Kein Drama, kein Thriller, "unterhaltsame Kost" sollte den Einstieg erleichtern. Dazu fiel die Wahl auf ein australisches Werk namens " Charlies Country ", ein zähes Abenteuer-Drama (!) über einen älteren, entwurzelten aber stolzen Aborigine. Auch wenn der filmische Ausflug zum fünften Kontinent ein katapultartiges Ablenkungsmanöver vom ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Maps to the Stars

Plakat_Maps_Stars Um die Filmfabrik in Hollywood hat der kanadische Kultregisseur David Cronenberg ("Die Fliege") stets einen großen Bogen gemacht – seinen neuen Film hat er nun überraschenderweise in Los Angeles gedreht, mittendrin im oberflächenglitzernden Epizentrum der amerikanischen Filmindustrie. Das musste sein – schließlich legt er mit "Maps to the Stars" eine ätzende, stellenweise kaum auszuhaltende Satire auf die Entertainment-Branche vor. Und obwohl sich Cronenberg auch schon in seinen letzten Filmen (dem Psychoanalyse-Drama "Eine dunkle Begierde" und der Kapitalismus-Dystopie "Cosmopolis") von den Körperhorror-Ekligkeiten seiner früheren Werke entfernt hatte: An die Nieren geht´s trotzdem. Mit distanziertem Blick ... Weiterlesen

EVENTS

Fantasy Filmfest 2014 – The Strange Color of Your Bodies Tears & 13 Sins

Plakat_strangecolor_web " Wir haben ihn wie ein Labyrinth geschrieben und wir hoffen, ihr verliert euch darin ", sagt Hélène Cattet bevor auf dem 28. Fantasy Filmfest ihr zweiter Kinospielfilm als eines der Selected Features beginnt. Der Wunsch der Regisseurin von " Amer " und ihres Arbeits- und Lebenspartners Bruno Forzani (jüngstes Projekt: der Nachwuchs, der im Kinderwagen beim Vorgespräch zum Film dabei war) erfüllt sich in den nächsten 102 Minuten, die das Publikum in eine Phantasmagorie blutiger psychosexueller Obsessionen führen. Cattet und Foranis Labyrinth liegt in Brüssels malerisch düsteren Art-Nouveau-Gebäuden, die das Regie-Duo anregten, die dunklen Geheimnisse verfallender Jugendstil-Schönheit zu ergründen. Die ... Weiterlesen

KRITIK

Am Sonntag bist Du tot

Bild (c) 2014 Ascot Elite Filmverleih. Bild (c) 2014 Ascot Elite Filmverleih. Viel zu wenige Schauspieler drücken zur Zeit dem aktuellen Kino allein durch ihr Können einen nachhaltigen Stempel auf. So wie Brendan Gleeson. Seit John Boormans "The General" (1998), der bei uns "Der Meisterdieb von Dublin" heißt, ist der irische Charakterdarsteller in immer mehr Haupt- statt Nebenrollen zu sehen. Sehr zur Freude seiner immer größer werdenden Fangemeinde. Viele davon dürften den leidenschaftlichen Samuel Beckett-Liebhaber spätestens seit seiner furchteinflößenden Verkörperung des Professor Alastor "MadEye" Moody aus den Harry Potter-Filmen kennen und vor allem auch lieben gelernt haben. Immer, wenn es um kauzige, energische und ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Bild (c) Piffl Medien. Bild (c) Piffl Medien. Deutsche Filmverleiher und das enervierende Thema Filmtitel. Offenbar sind einige Verleiher auf dem Eric-Emmanuel-Schmitt-Trip hängengeblieben. Wieso sonst sollten sie fremdsprachige Produktionen inzwischen im Wochentakt mit penetrant putzigen Titeln der immer gleichen Art versehen? Nach "Monsieur Claude und seine Töchter", " Hectors Reise und die Suche nach dem Glück ", " Madame Mallory und der Duft von Curry " kommt jetzt mit "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit" ein weiteres Exemplar ins Kino. Dabei heißt die mehrfach ausgezeichnete (u.a. Venedig, Reykjavik) britisch-italienische Produktion im Original schön doppelsinnig "Still Life". Und irgendwo zwischen "Stillleben" und "Noch Leben" ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Sep 2014
02
“Diplomatie” von Volker Schlöndorff

Ein guter Kammerspielfilm basiert oft auf einem erfolgreichen Theaterstück ("Rope", "Arsenic and old lace", "Gott des Gemetzels" etc.). So auch Volker Schlöndorffs gleichnamige Adaption "Diplomatie". Das Drehbuch zum Film schrieb der deutsche Oscar-Preisträger zusammen mit dem Autor des Bühnenstücks, Cyril Gély. Basierend auf einem spannenden Kammerspiel, das ein geschichtsträchtiges Aufeinandertreffen im Paris des Kriegsjahres 1944 nacherzählt: Ein schwedischer Diplomat will versuchen, den deutschen Statthalter von Paris davon abzubringen, die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Die (wahren) geschichtlichen Fakten bilden dabei nur das Grundgerüst für ein spannendes Rededuell, das vielleicht so oder so ähnlich zwischen Raoul Nordling, dem eloquenten Diplomaten, und Dietrich von Choltitz, dem erfahrenen und Hitler treu ergebenen Soldaten stattgefunden haben könnte. Dass die ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Guardians Of The Galaxy

Bild (c) Walt Disney Pictures. Bild (c) Walt Disney Pictures. Das Comic-Imperium Marvel hat in den letzten Jahren unzählige Helden auf die Kinoleinwand losgelassen. Darunter zum Beispiel den Tüftler "Iron Man", den Kämpfer "Captain America", den Hammerschwinger "Thor", den Bulldozer "Hulk" und schließlich auch alle gemeinsam als "The Avengers". Obwohl dabei ein paar der erfolgreichsten jüngeren Hollywood-Blockbuster heraussprangen, galt ihr neues Multi-Millionen-Werk als Risikounternehmung. Schließlich gehören die skurrilen "Wächter der Galaxie" namens "Guardians of the Galaxy" eher zu den nachrangigeren Helden aus dem Marvel-Universum. Doch die Sorge war unbegründet. Kein US-Film hat in der Saison 2014 mehr Kasse gemacht, und ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Aug 2014
27
“Besser als nix” von Ute Wieland

Regen im August. Was gibt es Besseres, als den Nachmittag im Kino zu verbringen? Zudem noch zu zweit? Wohl nur wenig. Da ich aber bekanntermaßen kein Fan von Kinder- und Jugendfilmen aus meinem Heimatland bin, war ich skeptisch, ob die Tragikomödie "Besser als nix" eine gute Wahl war. Doch entgegen aller Misstöne zum Film (aus der deutschen "Kritikerlandschaft"), wurde ich - nein, wurden wir - positiv überrascht. "Das Leben ist ein Arschloch" steht auf dem Plakat zum Film geschrieben. Ein Eye-Catcher. Selbiges behauptet auch Tom, die Hauptfigur des Films, ein neunzehnjähriger Schüler, der in seinem brandenburgischen Heimatort auffällt wie kein zweiter. Tom (Francois Goeske) hat früh seine Mutter verloren, Vater Carsten trainiert die Fußballjugend. Der Nahezu-Alles-total-Verweigerer trägt schwarz und hört melancholische Musik. Nur die Berufsberaterin weiß genau, was aus ihm ... Weiterlesen

KRITIK

I Origins – Im Auge des Ursprungs

Bild (c) 2014 Twentieth Century Fox. Bild (c) 2014 Twentieth Century Fox. "Deine blauen Augen machen mich so sentimental." – "Die Augen sind der Spiegel der Seele." – "Sogar das Schweigen ist sinnvoll, wenn die Augen sprechen." – Die Menschheits- und Kulturgeschichte ist voll von Analogien, Metaphern und hübschen Bildern über unser aller Sehorgan zwischen Poesiealbum-Sprüchen und philosophischen Einlassungen, die diese kleine Auswahl mit Annette Humpe, Leonardo da Vinci und Albert Camus sicherlich ins Unendliche verlängern ließen. Ian Gray, Student der Molekularbiologie, würde sie wohl allesamt unterschreiben, denn auch wenn er sich streng wissenschaftlich auf die Erforschung der Evolutionsgeschichte des menschlichen Auges ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Madame Mallory und der Duft von Curry

Bild (c) Constantin Film. Bild (c) Constantin Film. "Madame Mallory" ist ein Feel-Good-Movie nach Patentrezept. Garniert mit jeder Menge essenspornografischer Detailaufnahmen, angesiedelt in einer Märchenwelt aus grünstem Grün und sonnigster Sonne, in der, obwohl in der Originalfassung alle Figuren Englisch sprechen, die üblichen Franzosen-Klischees herumlaufen. Madame Mallory hat schon einen Michelin-Stern, der zweite soll folgen. In einem malerischen südfranzösischen Dörfchen führt sie das Gourmetrestaurant "Le Saule Pleureur" (Die Trauerweide), in dem sogar der Präsident hin und wieder einzukehren pflegt. Dann erdreistet sich eine laute Migrantenfamilie aus Indien, auf der anderen Straßenseite ein Curryhaus zu eröffnen. ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

When Animals Dream

Bild (c) Prokino. Bild (c) Prokino. Sonderlich hübsch ist sie nicht, zumindest nicht nach den gängigen Next-Topmodel-Kriterien. Eher spröde und verschlossen dazu, eigentlich ganz passend für den kleinen, verschlafenen, manchmal unwirtlichen dänischen Küstenort, in dem sie mit ihren Eltern lebt, mit ihrer Mutter im Rollstuhl und ihrem Vater, der irgendwie den Anschluss verloren hat. Und doch ist Marie eine Außenseiterin, wie sie im (Dreh-)Buch steht. Uncooler als ihre gehässigen Klassenkameradinnen, ausgeschlossen von den Männerbünden in der Fischfabrik, in der sie neuerdings jobbt. Sie weiß genau, dass es mit diesem Status Quo nicht mehr lange weitergehen kann, sie spürt bereits die Veränderungen, die sich anbahnen, sich ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Bild (c) Wild Bunch. Bild (c) Wild Bunch. Was ist Glück? Nicht nur in westlichen Industriestaaten begibt man sich gerne auf die Suche nach Antworten auf diese Frage. Bücher zum Thema werden zahlreich verkauft. Erbauungsliterat François Lelord schickte seinen Roman-Serienhelden Hector, einen zweifelnden Psychiater, 2002 auf eine weltumspannende "Suche nach dem Glück". Eine Reise, die sich im (erfolgreichen) Buch als Kalenderspruchsammlung auf Glückskeksniveau präsentierte. Nun hat der Brite Peter Chelsom, zuletzt Regisseur von "Hannah Montana"-Teeniekommerz, den Bestseller als bebilderten Urlaubsprospekt verfilmt. Hector lebt zwar, weil von Komiker Simon Pegg ("Paul") gespielt, in London, doch wie im Buch ist er angeödet von den ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Aug 2014
11
“Fräulein Else” von Anna Martinetz am Sonntagabend

Sonntagabend. Nicht meine Kino-Zeit. Aber der Plot des Films "Fräulein Else", über den ich noch nichts gelesen oder gehört hatte, machte mich neugierig. Eine Schnitzler-Adaption. Eine Monolog-Novelle von 1924. Und diese im Hier und Jetzt? Mutig. Und Arthur Schnitzler? Da war doch mal was? Neu-Interpretationen von weltbekannter Literatur im Setting der Gegenwart. Genau. Kubrick. "Eyes Wide Shut". In meinen Augen ein Meisterwerk. Aber im Fall von Anna Martinetz´ Schnitzler-Verfilmung handelt es sich um eine Adaption im Sprach-Duktus des Originals. Können auch auf der Leinwand funktionieren. Oder eben auch nicht. Fans von Baz Luhrmann („Romeo and Juliet“) oder Joss Whedon („Viel Lärm..“) werden mir da vielleicht beipflichten. Die junge Hochschulabsolventin Anna Martinetz ist ohne Zweifel ein Fan von Schnitzler als auch von Kubrick. Warum also nicht die gleichnamige ... Weiterlesen

AKTUELL IM KINO

Ein Augenblick Liebe

EAL.PL_RZ.indd Schriftstellerin Elsa (Sophie Marceau) und Anwalt Pierre (François Cluzet, " Ziemlich beste Freunde ") haben zunächst nur ein schnödes Rauschbedürfnis gemeinsam: Nach einer ihrer Lesungen begegnen sie sich per Zufall auf der Suche nach Blättchen für einen Joint, und prompt ist es um sie geschehen. Es könnte der Anfang einer perfekten Liebesgeschichte sein. Könnte. Doch Pierre ist ein glücklich verheirateter Familienvater, und Elsa lässt sich aus Prinzip nicht mit verheirateten Männern ein. Große Tragödie also? Nur so halb. Regisseurin Lisa Azuelos inszeniert diese verhinderte Affäre nur dezent angekitscht zwischen Melodram und Romanze. Mit der scheinbar immerjungen Sophie Marceau hat sie bereits die nette ... Weiterlesen

BLOG

Aug 2014
05
Arthaus-Reihe “20 Filmklassiker”: “The Doors” von Oliver Stone

Wer die Chance hat, den Oliver Stone Kassiker "The Doors" als 35mm-Kopie auf der großen Leinwand zu sehen, sollte dies tun. Ohne Ausrede. Denn das Lebensgefühl einer Generation und dazu die Entstehungsgeschichten zahlreicher The Doors-Hits wie "Light my fire" oder "When the music´s over" mit den Augen von Oliver Stone, ergo epische Songs, die eine ganze Generation prägten, sollte zum Basis-Kulturwissen jedes Film- und Musikliebhabers gehören. Ich habe die Chance im Rahmen der Arthaus-Verleih-Filmreihe „20 Meisterwerke zurück im Kino“ ergriffen. Und auch die gefühlt zehnte Sichtung des Films nicht bereut. Vorweg aber eine Klarstellung: Aus meiner Sicht ist Oliver Stones "The Doors" alles andere als ein Meisterwerk der Filmgeschichte. Nicht nur als "Doors"-Fan sollte dem Betrachter der in 140 Filmminuten gegossene Personenkult um Frontmann Jim Morrison durch den New Yorker ... Weiterlesen